Nahost-Konflikt : Israel lässt Frauen für Schalit-Video frei

Im Austausch für ein Lebenszeichen des entführten Soldaten Gilad Schalit hat Israel 19 Palästinenserinnen freigelassen. Möglich wurde der Austausch durch deutsche Hilfe.

Aus dem israelischen Hadarim-Gefängnis bei Netanja wurden am Freitag 19 Palästinenserinnen entlassen. Die zwischen 19 und 47 Jahre alten Frauen überquerten in Jeeps des Roten Kreuz die Grenzübergänge zum Gazastreifen und Westjordanland. Dort wurden sie unter großem Jubel von Familienangehörigen in Empfang genommen.

Im Gegenzug erhielt Israel ein etwa zweiminütiges Video mit Aufnahmen des entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit. Offenbar ist er in einem guten Gesundheitszustand. Der israelische Fernsehsender Channel 10 zitierte einen Regierungsbeamten, wonach der 23-Jährige gesund und in gutem Zustand erscheine. Als Beweis für die Aktualität der Aufnahme hielt Schalit eine Zeitung vom 14. September in die Kamera.

Der Schritt könnte der Durchbruch zu einem breiter angelegten Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hamas sein, über deren Modalitäten Israel und Hamas seit Jahren verhandeln. Auch das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sprach von einer vertrauensbildenden Maßnahme, bevor die Verhandlungen über die Freilassung Schalits in die entscheidenden Phasen einträten. Hamas feierte die Freilassung der Gefangenen als einen "Sieg des Widerstandes".

Nach Angaben beider Seiten ist die nun gefundene Lösung vor allem den Bemühungen eines deutschen Vermittlers zu verdanken. Seit Mitte Juli pendelt dieser zwischen den Konfliktparteien – und wird seine Vermittlungsversuche auch fortsetzen.

Ziel der Verhandlungen ist die Freilassung Schalits. Die Hamas verlangt als Gegenleistung die Entlassung Hunderter Palästinenser aus israelischen Gefängnissen. Ende August hatte der Spiegel über einen Vorschlag des Bundesnachrichtendienstes berichtet, der die Freilassung von 450 Palästinensern vorsieht. Die Bundesregierung lehnte eine Stellung seinerzeit ab.

Der damalige Rekrut Schalit war am 25. Juni 2006 von einem palästinensischen Kommado in den Gazastreifen entführt worden, nachdem sein Posten der Grenze von militanten Gruppen überfallen worden war. Seitdem hat seine Familie nur drei Briefe und eine Audio-Botschaft erhalten. Das letzte Lebenszeichen stammt vom Juni vergangenen Jahres. Die Eltern wollen nun entscheiden, ob sie das Video zur Veröffentlichung in den Medien freigeben.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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