Nahost-Konflikt : Israel rückt wieder in den Libanon ein

Die israelische Armee hat mit einer massiven Militäraktion im Südlibanon auf die Entführung zweier ihrer Soldaten durch die Hisbollah reagiert. Luft- und Bodentruppen rückten in das Land vor. Bei den Gefechten wurden vier israelische Soldaten getötet.

US-Außenministerin Condoleezza Rice verurteilt die Entführung der Soldaten scharf. Die Verschleppung "untergräbt die regionale Stabilität", sagte Rice bei einem Treffen der Außenminister der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands am Mittwoch in Paris.

Auch die Bundesregierung verurteilte die Entführung "auf das Schärfste" und forderte die bedingungslose Freilassung der Verschleppten. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, es bestehe die Gefahr, dass jedwede Verständigungslösung im Nahen Osten durch die neue Eskalation "verschüttet wird". Die Bundesregierung rief alle Kräfte in der Region zur Mäßigung auf, um eine weitere Zuspitzung der Lage zu verhindern. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) steht nach Angaben des Sprechers mit seinen Kollegen in der Region in Kontakt.

In den von der Hisbollah kontrollierten Vororten von Beirut und sowie in palästinensischen Flüchtlingslagern löste die Nachricht von den verschleppten Soldaten Jubel und Freudenschüsse aus. Die Hamas gratulierte der Hisbollah zu der Gefangennahme der beiden Soldaten.

Luftangriff in Gaza

Der Sprecher des bewaffneten Hamas-Flügels bestritt Angaben der israelischen Armee, wonach der Chef der Essedin-Kassam-Brigaden, Mohammed Deif, bei der Zerstörung eines Hauses in Scheich Radwan in der Nähe von Gaza verletzt worden sei. Mit diesen "trügerischen Informationen" sollten lediglich "zionistische Verbrechen" beschönigt werden. Die Essedin-Kassam-Brigaden kündigten eine "harte und schmerzhafte Vergeltung" für das "zionistische Massaker" an.

Im israelischen Armeerundfunk hieß es, Deif habe sich in dem angegriffenen Haus mit mindestens drei anderen Militärführern der Hamas zu einer Besprechung aufgehalten. Der Angriff habe aufgrund von Informationen des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Beth stattgefunden. Verteidigungsminister Amir Perez habe dafür persönlich grünes Licht gegeben.

Bei einem gezielten israelischen Luftangriff auf ein Fahrzeug in Chan Junis kamen nach Angaben von Ärzten mindestens zwei Palästinenser ums Leben. Ein in der Nacht während eines israelischen Armeevorstoßes im südlichen Gazastreifen verletztes Führungsmitglied der palästinensischen Volkswiderstandskomitees erlag unterdessen seinen Verletzungen. Ein weiterer Palästinenser starb in Deir el Balah im Zentrum des Gazastreifens durch Schüsse israelischer Soldaten, die dort mit Panzerfahrzeugen vorrückten. Im Süden von Gaza-Stadt wurde ein Polizist getötet, als die israelische Armee das Polizeikommissariat beschoss.

Die israelische Armee hatte Ende Juni ihre "Sommerregen" genannte Offensive begonnen. Ziel ist es zum einen, den am 25. Juni verschleppten Soldaten Gilad Schalit freizubekommen; zum anderen sollen Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf Israel unterbunden werden. Seit Beginn der Offensive töteten israelische Soldaten im Gazastreifen mehr als 60 Palästinenser. (tso/ddp/AFP)

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