Politik : Nahost-Konflikt: Israel stoppt Einmarsch in Stadt bei Bethlehem

In letzter Minute hat die israelische Armee in der Nacht zu Mittwoch ihren Einmarsch in die autonome Palästinenserstadt Beit Dschala bei Bethlehem gestoppt. Die Truppen und Panzer vor der Stadt wurden aber nicht abgezogen. Die Operation sei um 24 Stunden verschoben worden, meldete der staatliche Rundfunk unter Berufung auf die Armee. Zum Grund für den Stopp gab es widersprüchliche Angaben: Die US-Regierung habe das Eindringen der Armee in Dschenin in der Nacht zum Dienstag scharf kritisiert und Sofortmaßnahmen zur Beendigung der Gewalt verlangt, hieß es aus dem Verteidigungsministerium. Aus dem Umfeld von Ministerpräsident Ariel Scharon wurde eine Einflussnahme Washingtons dagegen dementiert. Das Büro von Außenminister Schimon Peres teilte mit, dieser habe Verteidigungsminister Benjamin Ben Elieser zum Abbruch der Aktion gedrängt.

Von Beit-Dschala aus war am Dienstagmorgen die jüdische Siedlung Gilo am Rand von Ostjerusalem beschossen worden. Scharon hatte daraufhin mit einer militärischen Intervention gedroht. Ben Elieser sagte, er habe den Einmarsch gestoppt, um den Palästinensern eine neue Chance für einen Waffenstillstand zu geben. Niemand habe auf ihn Druck gemacht, "weder die USA noch Peres".

Das Vordringen der Armee in die autonome Palästinenserstadt Dschenin in der Nacht zum Dienstag war weltweit auf Empörung gestoßen. In fünf palästinensische Dörfer im Westjordanland rückte die Armee in der Nacht zum Mittwoch nur vorübergehend ein. Die Soldaten zogen nach Militärangaben jeweils nach einer halben Stunde wieder ab.

In Hebron erschossen Soldaten einen Aktivisten der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Jassir Arafat. Die als Palästinenser verkleideten Soldaten fuhren in einem getarnten Lieferwagen vor und eröffneten das Feuer auf den 25-Jährigen. Der Angriff fand in einer palästinensisch kontrollierten Straße Hebrons statt.

Proteste gegen Botschafter

Unter starkem Polizeischutz ist der umstrittene neue israelische Botschafter in Dänemark in Kopenhagen eingetroffen. Mehrere Menschenrechtsorganisationen kündigten Demonstrationen gegen den neuen Botschafter Carmi Gillon an, der als früherer Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Beth für Folterungen verantwortlich sein soll.

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