Nahost-Konflikt : Israel verstärkt Bodentruppen

Die israelische Armee hat ihre Angriffe auf den Libanon den siebten Tag in Folge fortgesetzt. Dabei kamen mehr als 20 Menschen ums Leben. Tausende Reservisten wurden mobilisiert, um die Truppenpräsenz an der Grenze zu verstärken.

Jerusalem - Die Luftwaffe flog in der Nacht zum Dienstag Angriffe auf mehrere Militäranlagen und die Hochburgen der schiitischen Hisbollah-Miliz in der Hauptstadt Beirut. Die radikale Hisbollah-Miliz feuerte zahlreiche Katjuscha-Raketen auf den Norden Israels ab. Die Evakuierung von im Libanon lebenden Ausländern lief weiter auf Hochtouren.

Israelische Kampfflieger flogen in der Nähe von Beirut mehrere Angriffe auf eine Kaserne in der Nähe des Präsidentenpalasts in Baabda. Genaue Opferzahlen lagen zunächst nicht vor. Bei einem Angriff auf die Militärbasis in Abdé an der Grenze zu Syrien wurden nach libanesischen Angaben neun Soldaten getötet. Bei der Bombardierung von Siedlungen im Süden des Landes starben mindestens 13 Zivilisten. Im Zentrum von Beirut zerstörte die Armee bei Luftangriffen zwei Gebäude, in denen sich Büros der schiitischen Hisbollah befanden. Israel mobilisierte drei Reservisten-Bataillone. Diese sollen im Westjordanland stationierte Truppen ersetzen, damit diese an die Grenze zum Libanon verlegt werden können.

Die Hisbollah hatte am 12. Juli zwei israelische Soldaten entführt, worauf Israel mit einer groß angelegten Militäroffensive reagierte. Seit Beginn der Angriffe wurden im Libanon mehr als 200 Menschen getötet.

Israels Außenministerin Zippi Livni sagte im US-Fernsehsender ABC, die Angriffe Israels hätten die Hisbollah geschwächt und der libanesischen Regierung die Chance gegeben, ihre Souveränität zu behaupten. Die Außenposten der Hisbollah an der Grenze zu Israel gebe es nicht mehr, Beirut müsse nun die Gelegenheit nutzen, um die Hisbollah und andere militante Gruppen zu entwaffnen. Nach eigenen Angaben will Israel die Angriffe noch mindestens eine Woche lang fortsetzen.

Auch die Hisbollah griff wieder israelisches Territorium an. Eine große Menge von Geschossen landete in 17 Kibbuzim und Ortschaften. Auch die Hafenstadt Haifa wurde erneut beschossen. Über Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Am Sonntag waren in der drittgrößten Stadt Israels acht Menschen durch Hisbollah-Raketen getötet worden.

Zehntausende auf der Flucht

Derweil wurde mit Hochdruck an der Evakuierung von im Libanon lebenden Ausländern gearbeitet. Helikopter, Kriegs- und Passagierschiffe machten sich auf den Weg, um zehntausende Menschen aus dem Land zu bringen. Etwa 400 Deutsche fuhren in einem begleiteten Buskonvoi von Beirut ins Nachbarland Syrien. Weitere Flüge mit zusammen noch einmal 800 Plätzen sind für die nächsten Tage geplant. Die USA und Kanada entsandten Charterschiffe, um zehntausende ihrer Bürger außer Landes zu bringen. London bereitete sich auf die Evakuierung von rund 22.000 Briten vor.

Israel äußerte sich zögerlich zu Plänen von US-Außenministerin Condoleezza Rice, im Bemühen um eine Lösung der Krise in den Nahen Osten zu reisen. «Ich glaube, der Zeitpunkt ist falsch», sagte der israelische Botschafter in den USA, Daniel Ayalon, dem Fernsehsender CNN. Das US-Außenamt nannte bislang keinen Termin für die Reise.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beriet in New York über einen Vorschlag der G-8-Staaten, eine Friedenstruppe zur Stabilisierung in den Nahen Osten zu schicken. Eine Entscheidung wurde nicht mitgeteilt. UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach nach Angaben eines ranghohen UN-Beamten auch mit dem syrischen Präsidenten Baschar al Assad über die Eskalation. Syrien und der Iran unterstützen die Hisbollah. (tso/AFP)

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