Nahost-Konflikt : Israel verteidigt Einsatz von Streubomben

Israel hat offenbar Streubomben bei seinen Angriffen auf den Libanon eingesetzt. Das israelische Militär betont allerdings, der Gebrauch von Streumunition sei gemäß Völkerrecht legal.

New York - Forscher vor Ort hätten die Anwendung dieser umstrittenen Waffe bei einem Angriff auf die libanesische Ortschaft Blida am 19. Juli bestätigt, teilte die in New York ansässige Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) mit. Dabei seien ein Mensch getötet und zwölf weitere verletzt worden. Forscher hätten zudem Streubomben im Arsenal der israelischen Artillerie an der libanesischen Grenze fotografiert. "Streubomben sind inakzeptabel ungenaue und unzuverlässige Waffen", wenn sie in Gegenden mit vielen Zivilisten eingesetzt würden, erklärte HRW-Chef Kenneth Roth. "Sie sollten niemals in Siedlungsgebieten eingesetzt werden."

Das israelische Militär erklärte laut Nachrichtenagentur Reuters, der Gebrauch von Streumunition sei gemäß Völkerrecht legal. Der Vorfall, auf den sich die Menschenrechtsorganisation beziehe, werde geprüft.

Streubomben (englisch: Cluster Bombs) sind in einer Bombe verpackte Bomben. Schon in der Luft verteilen sich die bis zu 1000 kleinen Sprengsätze, weshalb die Waffe in einem sehr großen Radius ihre zerstörerische Wirkung entfaltet. Als erstes Land hat Belgien im Februar den Einsatz von Streubomben verboten. Norwegen folgte vier Monate später mit einem Moratorium.

Israelische Armee erlangt Kontrolle über Hisbollah-Stützpunkt

Die israelische Armee hat unterdessen nach eigenen Angaben die Kontrolle über den wichtigen Hisbollah-Stützpunkt Bint Dschbeil im Süden des Libanon erlangt. "Unsere Streitkräfte kontrollieren Bint Dschbeil", sagte Oberleutnant Jizchak Ronen im Militärradio. Nach Angaben der libanesischen Polizei bezogen zwei israelische Kolonnen mit jeweils zehn Panzern Stellung auf zwei Hügeln über dem Dorf, in dem sich das lokale militärische Hauptquartier der Hisbollah befindet. Der Vorstoß wurde demnach von sporadischen Schusswechseln begleitet. Drei Kilometer südlich von Bint Dschbeil liegt das strategisch wichtige Dorf Marun al Ras, das die Israelis seit Sonntag besetzt halten. In der Region konzentrierten sich in den vergangenen Tagen die Bodenkämpfe zwischen israelischen Soldaten und Hisbollah-Kämpfern.

Ziel sei es, in Bint Dschbeil die Infrastruktur der Hisbollah zu zerstören und die Mitglieder dieser Organisation zu töten, sagte der Oberkommandeur des Nordkommandos der israelischen Armee, Alon Friedman, im Radio. Die israelischen Soldaten hätten einen Korridor freigelassen, um Zivilisten die Flucht nach Beirut zu ermöglichen, sagte Friedman. Auch die Hisbollah-Milizionäre "können davon profitieren."

"Frage von Leben und Tod"

Die Offensive gegen die Hisbollah-Miliz ist aus Sicht des israelischen Vize-Regierungschefs Schimon Peres für Israel eine "Frage von Leben und Tod." "Der heutige Krieg ist eine libanesische Tragödie, die durch die Ambitionen Irans ausgelöst wird", sagte Peres vor dem israelischen Parlament. "Für uns ist es eine Frage von Leben und Tod."

US-Außenministerin Condoleezza Rice wurde unterdessen von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Ramallah empfangen. Etwa 2000 Menschen demonstrierten gegen die US-Regierung und für Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah. Sicherheitskräfte hinderten die Demonstranten daran, in den Amtssitz von Abbas einzudringen. Rice hatte zuvor den israelischen Regierungschef Ehud Olmert in Jerusalem getroffen. (tso/AFP)

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