Nahost-Konflikt : Israel will sich offenbar aus Westjordanland zurückziehen

Acht Monate nach Beginn der Friedensverhandlungen hat Israel einem Zeitungsbericht zufolge den Palästinensern erstmals einen konkreten Vorschlag für die Lösung ihres Konfliktes unterbreitet: Die Israelis bieten den Rückzug aus dem Westjordanland an - fast vollständig.

Palästinenser
Protestierende Palästinenser im Westjordanland. -Foto: dpa

JerusalemIsrael ist offenbar zu einem fast vollständigen Rückzug aus dem Westjordanland bereit. Wie die israelische Zeitung "Haaretz" am Dienstag berichtet, will Israel sich von 93 Prozent des besetzten Westjordanlandes zurückziehen. Dies habe Ministerpräsident Ehud Olmert Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bei einem ihrer jüngsten Treffen vorgeschlagen. Die restlichen sieben Prozent will Israel den Angaben zufolge in sein Staatsgebiet eingliedern. Dabei handele es sich um die großen jüdischen Siedlungen. Im Gegenzug solle den Palästinensern ein Gebiet nahe des Gazastreifen überlassen werden.

Der Rückzugsplan ist demnach Teil eines Grundsatzabkommen, das auch Vereinbarungen über die Frage der palästinensischen Flüchtlinge und den Grenzverlauf eines zukünftigen Palästinenserstaates enthält. Der israelische Regierungssprecher Mark Regev wollte den Bericht nicht kommentieren. Bei den Verhandlungen seien jedoch Fortschritte in mehreren Fragen erzielt worden. Olmert fühle sich weiterhin verpflichtet, ein gemeinsames "israelisch-palästinensisches Dokument" vor Jahresende zu erreichen.

Erekat: "Alles nur Halbwahrheiten"

Eine Mehrheit der Israelis lehnt nach Meinungsumfragen eine Teilung der Stadt ab. Dagegen wollen die Palästinenser in dem 1967 von Israel besetzten Ostjerusalem die Hauptstadt eines unabhängigen Palästinenserstaates errichten.

Der palästinensische Verhandlungsführer Saeb Erekat warf der israelischen Führung vor, gezielt Halbwahrheiten in die Öffentlichkeit zu streuen. "Für mich sieht es so aus, als ob die Zeit der Schuldzuweisungen (für ein Scheitern der Verhandlungen) begonnen hat", sagte Erekat.

Die letzten Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern waren im Januar 2001 im ägyptischen Badeort Taba ohne Ergebnis abgebrochen worden. Beide Seiten konnten sich damals nicht auf eine Lösung der strittigsten Fragen wie Flüchtlinge, Grenzen und Jerusalem einigen. (sba/dpa/AFP)

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