Politik : Nahost-Konflikt: Israels Armee will Waffenruhe einhalten

Begleitet vom palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat ist der Sarg des ranghöchsten PLO-Vertreters in Jerusalem, Faisal Husseini, am Freitag im Westjordanland eingetroffen. Ein Hubschrauber brachte ihn aus der jordanischen Hauptstadt Amman nach Ramallah. Arafat salutierte, als acht Männer den mit einer palästinensischen Flagge bedeckten Sarg aus dem Hubschrauber trugen. Nach einem Trauerzug wurde Husseini, der am Donnerstag in Kuwait gestorben war, auf dem Tempelberg in Jerusalem beigesetzt.

"Zum Himmel, ihr geliebten Märtyrer", sagte Arafat. Vor dem Hauptquartier der palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah versammelten sich die Trauernden. Husseini war eines der prominentesten Mitglieder der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und galt als einer von mehreren möglichen Nachfolgern Arafats. Über Lautsprecher wurden Verse aus dem Koran vorgetragen, während sich der Trauerzug von Ramallah in Richtung Ost-Jerusalem aufmachte. Die israelische Polizei entsandte Verstärkung nach Jerusalem.

Unterdessen dauerten die Unruhen in den palästinensischen Autonomiegebieten ungeachtet einer von Israel ausgerufenen einseitigen Waffenruhe an. Palästinenser feuerten am Freitag Granaten auf eine jüdische Siedlung im Gazastreifen. Nach israelischen Militärangaben gingen vier Geschosse auf unbewohntem Gebiet am Rande der Siedlung Schlav nieder. Die Armee schoss nach eigenen Angaben nicht zurück. Damit habe sie sich an die Regierungs-Anweisung zur "Zurückhaltung" gehalten, hieß es.

Als Reaktion auf die Angriffe will die israelische Armee weitere Einheiten ins Westjordanland verlegen. Die Truppen sollten in zivil auftreten und überraschend Straßensperren einrichten sowie Passanten kontrollieren, berichtete die israelische Tageszeitung "Haaretz" am Freitag. Andere Soldaten in Uniform sollten die bestehenden Patrouillen verstärken und Präsenz demonstrieren.

Der israelische Präsident Mosche Katzav sagte im israelischen Rundfunk, dass die von Israel ausgerufene einseitige Waffenruhe im Westjordanland und im Gazastreifen angesichts der zunehmenden Gewalt militanter Palästinenser "nur noch einige Tage halten wird". Im Mai waren im Westjordanland zehn Israeli getötet worden, davon sieben durch Schießereien auf offener Straße. Zuletzt war am Donnerstag ein jüdischer Siedler von Palästinensern erschossen worden.

Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) sprach sich unterdessen für ein stärkeres europäisches Engagement in der Krisenregion aus. Er wolle mit seinem am Freitag beginnenden fünftägigen Besuch die Bemühungen von EU-Chefdiplomat Javier Solana für ein Ende der Gewalt unterstützen, sagte Fischer am Freitag dem Bayerischen Rundfunk. Die Bundesregierung wolle in enger Abstimmung mit den europäischen Partnern und den Vereinigten Staaten dazu beitragen, dass die Konfliktparteien an den Verhandlungstisch zurückkehrten. Eine deutsche Vermittlerrolle wies Fischer allerdings zurück. Es dürfe nicht vergessen werden, dass Deutschland eine "besondere, historische Beziehung zum Staate Israel" habe. Er wolle jedoch dazu beitragen "dass die internationalen Vermittlungsbemühungen flankiert und positiv verstärkt werden"

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