Politik : Nahost-Konflikt: Lässt Arafat Al-Qaida-Kämpfer anwerben?

Friedemann Diederichs

Wenn Schweden die amerikanische Nahost-Politik und die abweisende Haltung gegenüber Palästinenserpräsident Jassir Arafat als "wahnsinnig" bezeichnet, lässt derartige Kritik jedoch den US-Präsidenten George W. Bush weitgehend kalt - vor allem auch deshalb, weil US-Geheimdienste nach Informationen des Tagesspiegel neue Erkenntnisse über eine Besorgnis erregende Radikalisierung der Palästinenser gewonnen haben. Das Material soll den europäischen Verbündeten in nächster Zeit zugänglich gemacht werden. Wichtigste Nachricht: Die PLO werbe mit Hilfe iranischer Vermittler versprengte oder von Afghanistan ins Ausland geflohene Taliban- und Al-Qaida-Kämpfer an, die für ein Handgeld von rund 5000 Dollar nun im Gaza-Streifen und im Westjordanland eingeschleust werden sollen.

Man geht in Washington davon aus, dass bereits rund 100 Söldner auf diese Art und Weise rekrutiert worden sind. Diese neuen Erkenntnisse sprechen nach Ansicht der USA für engste Verbindungen Arafats zum Iran und zur vom Iran unterstützten libanesischen Terrorgruppe der Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist.

Kein Wunder also, dass zu Wochenbeginn US-Vizepräsident Dick Cheney die Tonart gegenüber der PLO weiter verschärfte ("Arafat hat bisher nicht getan, was er hätte tun müssen") und die Autonomiebehörde damit faktisch mit jenen Staaten gleichsetzt, die den Terrorismus fördern. Nachdem Nahost-Vermittler Anthony Zinni vom Weißen Haus instruiert wurde, bis auf Widerruf keinerlei Gespräche mehr mit Arafat-Vertrauten zu führen, will eine Mehrheit im Bush-Kabinett nun die Schließung des Washingtoner PLO-Büros. Ein Schritt, gegen den Aussenminister Colin Powell jedoch derzeit noch Vorbehalte hat. Arafats faktischen Hausarrest durch Israel nimmt man jedoch in den USA als angemessenen Schritt hin. Der Hausarrest sollte nach Ansicht von Bush-Beratern die Möglichkeiten Arafats keinesfalls behindern, gegen den Terrorismus im eigenen Lager vorzugehen.

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