Nahost-Konflikt : Olmert kündigt "schnellstmöglichen Rückzug" an

Israelische Panzer ziehen sich nach Augenzeugenberichten von verschiedenen Schlüsselpositionen im Gaza zurück. Der Krieg ist damit aber noch nicht beendet.

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Die Panzer ziehen sich teilweise an die Grenze zu Israel zurück. -Foto: dpa

Tel Aviv/Gaza Nach dem Inkrafttreten der Waffenruhe im Gazastreifen will Israel nach den Worten von Ministerpräsident Ehud Olmert "schnellstmöglich" aus dem Palästinensergebiet abziehen. Sobald die Sicherheit der im Süden Israels lebenden Menschen gewährleistet sei und sich der Waffenstillstand stabilisiere, solle der Rückzug der israelischen Truppen so schnell wie möglich erfolgen, sagte Olmert am Sonntagabend in Jerusalem in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und fünf weiteren Staats- und Regierungschefs aus EU-Ländern.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy begrüßte die Entscheidung, die Waffen schweigen zu lassen und fügte hinzu, Israel müsse darüber hinausgehen und seine Truppen abziehen. Frankreich habe die Offensive der israelischen Armee im Gazastreifen weder unterstützt noch ihr zugestimmt, auch wenn es sich des Fehlers der Hamas bewusst sei, deren Beschuss israelischen Territoriums mit Raketen zur Unterbrechung des Waffenstillstands geführt habe. Der britische Premierminister Gordon Brown rief Israel dazu auf, die Grenzübergänge zum Gazastreifen zu öffnen.

Israelische Truppen ziehen sich teilweise zurück

Die israelischen Streitkräfte haben am Sonntag mit einem Teilabzug aus dem Gazastreifen begonnen. Augenzeugen berichteten, dass die Truppen am Abend ihre Position in der ehemaligen jüdischen Siedlung Netzarim südlich der Stadt Gaza räumten. Panzer gaben demnach ihre Hauptstellung in der früheren Siedlung Netzarim auf und öffneten damit erstmals seit Beginn der israelischen Bodenoffensive "gegossenes Blei" am 3. Januar die Straße zwischen dem südlichen und nördlichen Gazastreifen. Auch aus dem Gebiet um Atatra im Norden des Gazastreifens rückten die israelischen Truppen ab. Wie Augenzeugen berichteten,  bezogen die Panzer Stellungen an der nördlichen und östlichen Grenze des Palästinensergebiets.

Militärkreise in Tel Aviv bestätigten den Beginn eines "gestaffelten Abzugs" aus dem palästinensischen Küstenstreifen. Nähere Einzelheiten in Hinblick auf Zahlen und Zeitrahmen wurden allerdings nicht genannt. Israel hatte knapp 24 Stunden zuvor eine einseitige Waffenruhe in der seit drei Wochen andauernden Militäroffensive gegen militante Palästinenser ausgerufen und in der Nacht zum Sonntag die offensiven Kampfhandlungen im Gazastreifen eingestellt. Augenzeugen sahen am Sonntagabend, wie Dutzende israelische Panzer und Armeefahrzeuge die Positionen bei Netzarim verließen. Auch ein Kontrollpunkt, der während der Offensive die von Gaza nach Rafah im Süden führende Küstenstraße blockiert hatte, sei geräumt worden.

Die militanten Palästinensergruppen hatten zuvor ihrerseits eine einwöchige Feuerpause verkündet. Die Nummer zwei des Hamas-Politbüros, Mussa Abu Marsuk, forderte Israel in einer Fernsehansprache zugleich auf, seine Streitkräfte aus dem Palästinensergebiet binnen dieser Frist abzuziehen. Zur gleichen Zeit sollten nach seinen Worten die Grenzübergänge geöffnet werden, damit lebensnotwendige Hilfe in den Gazastreifen gelangen könne. Trotz des begonnenen Teilabzugs war aber nicht klar, ob Israel dieser Forderung nachkommen wird. (ml/dpa/AFP)

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