Nahost-Konflikt : Rakete trifft Gruppe von Flüchtlingen

Israel setzt seine Militärschläge fort. Bei einem Luftangriff auf die südlibanesische Hafenstadt Tyrus sind mindestens zehn Zivilisten getötet worden.

Jerusalem/Beirut/Tyrus - Etwa 20 weitere Menschen seien verletzt worden, als eine Rakete vor dem Eingang eines Gebäude im Stadtzentrum eine Menschengruppe traf, teilten örtliche Krankenhäuser mit. Dort hatten sich mehrere Familien aus Grenzdörfern versammelt, die vor den israelischen Angriffen geflohen waren und im Keller des Hauses Zuflucht gefunden hatten.

Nach Angaben der libanesischen Polizei feuerte ein israelischer Kampfhubschrauber zwei Raketen auf das Gebäude ab, das die Büros der staatlichen Zivilverteidigung beherbergt. Eine der Raketen zerstörte die beiden oberen Etagen, die zweite traf die versammelten Menschen.

Die israelische Armee beteiligte sich unterdessen nach Angaben eines ihrer Generäle mit Sonderkommandos an Bodeneinsätzen im Libanon. «Ich lehne es natürlich ab, Einzelheiten über die Operationen, ihren Umfang und ihre Aufgaben preiszugeben», sagte General Gadi Eisenkraut am Sonntag im israelischen Rundfunk. Kämpfer der Hisbollah schlugen nach Angaben der Miliz israelische Soldaten zurück, die in der Nacht in den Südlibanon eindringen wollten. Bei den Kämpfen sei eine Planierraupe der israelischen Armee in Flammen aufgegangen.

Der israelische Armeerundfunk berichtete, sämtliche Radarstationen der libanesischen Armee seien zerstört worden. Dies sei geschehen, weil die Radarstationen dazu dienten, vom Iran an die Hisbollah gelieferte Raketen auf israelisches Territorium zu lenken.

Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora prangerte Israels anhaltende Angriffe auf den Libanon als «kollektive Bestrafung» seiner Landsleute an. In einer Fernsehansprache appellierte er an die internationale Gemeinschaft, einen «vollständigen und unverzüglichen Waffenstillstand» zu vermitteln. Siniora bekräftigte, dass seine Regierung nichts mit der Gefangennahme zweier israelischer Soldaten durch die Hisbollah am Mittwoch zu tun habe.

"Brutale Aggression"

Die Außenminister der Arabischen Liga verurteilten in Kairo die israelischen Angriffe auf den Libanon als «brutale Aggression» und Verstoß gegen das Völkerrecht. Allerdings wurden deutliche Differenzen unter den arabischen Staaten sichtbar: Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien ließen Kritik am Vorgehen der libanesischen Hisbollah-Miliz durchblicken.

Bei einem israelischen Luftangriff im nördlichen Gazastreifen wurden drei Palästinenser getötet und acht weitere verletzt. Nach Angaben von Rettungskräften schoss eine israelische Drohne im Gebiet der Stadt Beit Hanun eine Rakete auf eine Gruppe von bewaffneten Palästinensern ab. Seit der Anfang Juli gestarteten Offensive im Gazastrafe auf der Suche nach einem verschleppten israelischen Soldaten wurden mehr als 80 Palästinenser und ein Israeli getötet. (tso/AFP)

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