Nahost-Konflikt : Rice beginnt zweite Vermittlungsmission

Überschattet von neuen israelischen Luftangriffen und weiteren Drohungen der Hisbollah-Miliz hat US-Außenministerin Condoleezza Rice ihre zweite Vermittlungsmission im Nahen Osten begonnen.

Jerusalem/Beirut - Rice traf am Abend in Jerusalem ein. Während des Flugs sagte Rice, sie erwarte "recht intensive und schätzungsweise nicht einfache" Gespräche mit der israelischen Regierung. Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah drohte mit der Beschießung weiterer Städte in Israel. Den Besuch Rice' in der Region bezeichnete er als Versuch, dem Libanon "Bedingungen" zustellen. Israel lehnte eine von der Uno geforderte Feuerpause im Libanon zur Versorgung von Verletzten und zur Lieferung von Hilfsgütern ab.

"Wir setzen keine Frist, aber da wir ein baldiges Ende der Gewalt wollen, ist es wichtig, dass wir uns einigen", sagte Rice. Noch am Abend traf sie mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert zusammen. Rice' Besuch ist der erste Teil eines Drei-Stufen-Plans, den US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair am Vortag vorgelegt hatten. Rice soll demnach mit Israel und dem Libanon über eine internationale Stabilisierungstruppe und über eine Entschließung reden, mit der sich kommende Woche der UN-Sicherheitsrat befassen soll. Am Montag sollen am Sitz der Uno in New York Gespräche über die internationale Truppe beginnen.

Bush: "Chance für große Veränderungen"

Hisbollah-Führer Nasrallah drohte mit weiterem Raketenbeschuss auf israelische Städte, sollte die "Aggression" im Libanon nicht aufhören. Die Stadt Afula sei nur ein Anfang, erklärte er im Hisbollah-Sender Al Manar. Die israelische Militäroffensive bezeichnete er als völligen Fehlschlag.

Bei Afula war am Freitag nach israelischen Angaben eine in Syrien gebaute Rakete eingeschlagen. Es handele sich um eine Rakete nach dem Modell der iranischen Fadschr-5, sagte ein Sprengstoffexperte der israelischen Polizei.

Bei einem israelischen Luftangriff an der libanesischen Grenze wurden laut UN-Mission zwei indische UN-Soldaten verletzt. Die israelische Armee zog sich nach tagelangen Kämpfen aus Bint Dschbeil im Südlibanon zurück. Bei den erneuten Luftangriffen starben im Südlibanon mindestens 14 Zivilisten.

Militärchef des Islamischen Dschihad getötet

Unterdessen töteten israelische Soldaten in Nablus im Westjordanland zwei militante Palästinenser. Einer der beiden sei der Militärchef der Al-Kuds-Brigaden in Nablus gewesen, verlautete aus palästinensischen Sicherheitskreisen. Die Al-Kuds-Brigaden sind der bewaffnete Arm des Islamischen Dschihads. Der 29-jährige Hani Awidschan sei von einer israelischen Spezialeinheit in Zivil getötet worden. Kurz zuvor wurde demnach ein 25-jähriger Aktivist der Al-Aksa-Brigaden erschossen. Die Al-Aksa-Brigaden sind der bewaffnete Arm der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Ein Sprecher der israelischen Armee bestätigte den Einsatz. (tso/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben