Politik : Nahost-Konflikt: Scharon will enger mit Palästinensern zusammenarbeiten

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat eine Intensivierung der Sicherheitskooperation mit den Palästinensern zugesichert. Zu Beginn seines Antrittsbesuchs in Washington sagte Scharon am Montag, diese Bemühungen seien wesentliche Schritte, um die Spannungen zu verringern. Unterdessen kam es in den Autonomiegebieten zu neuen gewaltsamen Auseinandersetzungen. Palästinenser feuerten vom Gazastreifen aus Mörsergranaten nach Israel, bei einem weiteren Anschlag wurde ein jüdischer Siedler erschossen.

Vor einer härteren Reaktion seines Landes auf die andauernde Welle der Gewalt will Scharon den Palästinensern zwar noch etwas Zeit einräumen. "Wir brauchen Geduld", betonte Scharon. Bei seinen Treffen mit US-Außenminister Colin Powell, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Montag und mit Präsident George W. Bush am Dienstag wollte er jedoch für seine grundsätzlich harte Haltung im Friedensprozess werben: Scharon will Verhandlungen mit den Palästinensern erst nach einem Ende der Gewalt wieder aufzunehmen. "Einen Versuch, eine diplomatische Übereinkunft zu erzielen, kann es nur dann geben, wenn Ruhe herrscht", so der Ministerpräsident.

Während Scharons USA-Reise kam es zu neuen Angriffen in Israel und den Autonomiegebieten. Am Sonntagabend feuerten Palästinenser vom Gazastreifen mehrere Mörsergranaten auf Israel. Dabei wurde nach Armeeangaben ein israelischer Soldat leicht verletzt. Ein Sprecher sagte, es habe sich um den ersten Angriff auf israelisches Gebiet seit Beginn der Kämpfe gehandelt.

Wenige Stunden später wurde am Montagmorgen erneut ein israelischer Autofahrer im Westjordanland bei einem Überall bewaffneter Palästinenser getötet. Wie die israelische Armee erklärte, wurde der Mann von Schüssen tödlich verletzt, verlor die Kontrolle über seinen Wagen und prallte gegen einen entgegenkommenden Lastwagen. Der Überfall ereignete sich auf einer von Israel kontrollierten Straße südlich von Bethlehem. Nach Angaben jüdischer Siedler eröffneten die Palästinenser das Feuer von einem Hügel an der Straße und flüchteten dann auf palästinensisches Gebiet.

Die Stadt Bethlehem und angrenzende Dörfer im Westjordanland wurden nach dem Anschlag von der israelischen Armee vollständig abgeriegelt. Israel hatte die Blockaden im Westjordanland erst in der vergangenen Woche gelockert.

Ungeachtet der gespannten Situation berieten Israel und die Palästinenser bei ihrem ersten Ministertreffen seit Amtsantritt der neuen israelischen Regierung über die Maul- und Klauenseuche (MKS) im Westjordanland. Der palästinensische Landwirtschaftsminister Hikmat Seid verständigte sich nach eigenen Angaben am Montag mit seinem israelischen Kollegen Schalom Simhon auf einen gemeinsamen Kampf gegen die Seuche. Er habe auch eine Lockerung der von Israel verhängten Blockade der Autonomiegebiete verlangt, da nur so der Verbreitungsgrad der Seuche feststellt werden könne. Am Freitag hatte Seid 13 MKS-Fälle im Westjordanland gemeldet. Israel lieferte den Palästinensern daraufhin 200 000 Dosen Impfmittel.

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