Politik : Nahost-Konflikt: Tote und Verletzte am Jahrestag der ersten Intifada

Bei den blutigsten Zusammenstößen im Nahen Osten seit zwei Monaten sind am Freitag in Jerusalem und den Autonomiegebieten mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Die israelische Armee tötete bei einem Panzerangriff im Westjordanland vier palästinensische Polizisten und einen Zivilisten. Palästinenser erschossen dort ihrerseits drei jüdische Siedler in ihren Fahrzeugen. Auch in Jerusalem und Bethlehem lieferten sich Palästinenser und israelische Sicherheitskräfte nach dem moslemischen Freitagsgebet wieder schwere Gefechte, bei denen zwei junge Palästinenser starben. Mehrere palästinensische Organisationen, darunter die Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat und die radikalislamische Hamas, hatten für Freitag und Samstag zu "Tagen des Zorns" aufgerufen, um der ersten Intifada, des Volksaufstands vor 13 Jahren zu gedenken.

Auf dem Jerusalemer Tempelberg schossen israelische Polizisten mit Gummigeschossen auf Palästinenser. Nach palästinensischen Angaben wurden bei den Zusammenstößen mindestens elf Menschen verletzt. Um Gewalt zu vermeiden, hatte Israel Bewohnern der Autonomiegebiete die Teilnahme am Freitagsgebet in Jerusalem untersagt. Mindestens 3000 israelische Polizisten sollten dort die Sicherheit gewährleisten.

Einen Anschlag auf zwei jüdische Siedler in Hebron verurteilte Israels Ministerpräsident Ehud Barak als "feigen Angriff auf Zivilisten". Eine Lehrerin war auf der Stelle tot, als ihr Auto von mehreren Schüssen getroffen wurde. Ihr Fahrer erlag nach Krankenhausangaben wenige Stunden später seinen Verletzungen. In Jericho starb ein Israeli in einem Bus, als Palästinenser aus einem vorbeifahrenden Auto auf ihn feuerten. Bei den Anschlägen wurden mindestens zwei weitere Menschen verletzt.

Einziger Gewinner der seit Wochen anhaltenden Gewalt waren die rechten Parteien: Nach einer neuen Umfrage können sie bei der Parlamentswahl im Frühjahr mit einer Mehrheit der Sitze rechnen. Nach der Umfrage der Zeitung "Maariv" käme der rechte Block auf eine Mehrheit von 63 der 120 Parlamentssitze. Neben der Likud-Partei Ariel Scharons gehören ihm verschiedene nationalistische und religiöse Parteien an. Scharon hatte mit einem umstrittenen Besuch auf dem Jerusalemer Tempelberg am 28. September die jüngsten Unruhen ausgelöst, bei denen bisher 316 Menschen starben, die meisten von ihnen Palästinenser.

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