Politik : Nahost-Konflikt: Was würde Denny dazu sagen?

Malte Lehming

Der erste Satz des Nahost-Kommentars, den die "Washington Post" am Donnerstag druckte, lautete schlicht: "Yoo-hoo, Denny". Mit Denny ist Dennis Ross gemeint, der ehemalige Sondergesandte der USA im Nahen Osten. Einen Nachfolger für Ross hat die Bush-Administration bislang nicht ernannt. Doch der Druck auf die Regierung, dies bald zu tun, nimmt in dem Maße zu, wie die Situation vor Ort eskaliert. Außenminister Colin Powell alleine ist überfordert damit. Der muss sich schließlich auch noch um den Rest der Welt kümmern. Bill Clinton war zu stark in den Konflikt involviert, sein Nachfolger George W. Bush ist es zu wenig: Das ist der allgemeine Tenor der Analysen.

Für den ursprünglichen Impuls von Bush, sich nicht ebenso von Palästinenserchef Jassir Arafat an der Nase herumführen zu lassen wie Clinton, hat fast jeder Verständnis. Selbst Dennis Ross bezweifelt inzwischen, dass Palästinenserführer Arafat jemals einer endgültigen Vereinbarung zustimmen wird. Aber Zurückhaltung, so heißt es, sei etwas anderes als komplette diplomatische Abstinenz. Die amerikanische Regierung müsse der Region eine "konstante Aufmerksamkeit" widmen, um den Konflikt zumindest im Zaume zu halten.

Außerdem kann ein Sondergesandter möglichen Missverständnissen frühzeitig entgegenwirken. Zurzeit wird noch jedes Wort, das aus Washington kommt, von den betroffenen Parteien auf die Waagschale gelegt.

So darf in der Krisenregion geraten werden: Ist Bush mit den jüngsten Erklärungen auf Konfrontationskurs zu Israel gegangen? Andererseits: Warum weigert er sich bis heute, über ein Treffen mit Arafat nachzudenken? Überschätzen sollte man den Gestaltungsspielraum der amerikanischen Nahost-Politik nicht. Aber etwa mehr als bisher: Das ginge schon.

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