Politik : Nahost: Krieg der Worte

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Der französische Fernsehsender France 2 hat am Dienstag eine ARD-Dokumentation über den Tod des zwölfjährigen Palästinenserjungen Mohammed el Durra scharf kritisiert. In dem Beitrag "Das rote Quadrat", den die ARD am Montagabend ausstrahlte, hatte die Journalistin Esther Shapira unter anderem angezweifelt, dass France 2, dessen palästinensischer Kameramann als Einziger den Tod des Jungen in den ersten Tagen des Palästinenseraufstandes gefilmt hatte, wirklich alles verfügbare Material bereit gestellt habe. Dies sei eine "Unterstellung", hieß es vom Sender France 2. Shapiras Dokumentation kommt zu dem Schluss, dass der kleine Mohammed inmitten eines heftigen Schusswechsels möglicherweise von bewaffneten Palästinensern und nicht von israelischen Soldaten getötet wurde.

Israel reagierte indes sehr positiv auf die ARD-Dokumentation. Der Film soll vor allem ausländischen Kritikern gezeigt werden. Im Rundfunk kam der damalige Oberkommandierende Süd, dem der Gazastreifen unterstand, General Yom-Tov Samiah, zu Wort. Er hatte schon damals voreiligen Schuldbekenntnissen Israels gewarnt. Der heutige Reservegeneral Samiah: "Ich sage jetzt, dass eines Tages bewiesen werden wird, dass die ganze Geschichte des Mohammed el Durra eine Inszenierung war - eine nicht ganz geglückte, denn Tatsache ist, dass wir dahinter kommen, Tag für Tag, Stufe für Stufe. Es war eine einzige große Inszenierung, auf der die palästinensische Propaganda seit langer Zeit herumreitet."

Danny Shek, Leiter der Abteilung Europa im Außenministerium, bewertete den ARD-Film als "guten Dienst für Israel unter tragischen Umständen. Denn schließlich ist ein unschuldiges Kind umgekommen. Und dies will niemand, dass es geschieht. Das Gute, was der Film tat, war Zweifel zu erwecken."

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