Politik : Nahost-Krise: Arafat wirft Israel Massaker an seinem Volk vor

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Palästinenser-Präsident Jassir Arafat hat der israelischen Regierung vorgeworfen, "Massaker" am palästinensischen Volk zu begehen und den Frieden nicht zu wollen. Auf dem internationalen Mittelmeer-Forum im mallorquinischen Formentor sagte Arafat, durch den Einsatz des israelischen Militärs seien in den letzten zehn Tagen bereits 113 Palästinenser ("Märtyrer") umgekommen und 2800 verletzt worden. Er beschuldigte Israel, die jüngste Eskalation provoziert zu haben, die Kolonien "im besetzten Gebiet Palästinas" auszuweiten und die militärische Präsenz auszubauen. Nach Meinung des PLO-Chefs wird es keine Stabilität und Sicherheit im östlichen Mittelmeerraum geben, wenn nicht die Palästinenserfrage gelöst wird.

Spaniens Regierungschef Jose Maria Aznar kritisierte die Abwesenheit israelischer Regierungsvertreter bei der Formentor-Konferenz "Sicherheit im Mittelmeer" im Norden Mallorcas. Israels Außenminister Shlomo Ben Ami hatte die spanische Einladung abgelehnt. Spanien unterhält traditionell exzellente Beziehungen zu Israel wie zur PLO und hatte gehofft, einen direkten Friedensdialog anstoßen zu können. Ohne Israel direkt beim Namen zu nennen, sagte Aznar: "Es hat intolerable Provokationen gegeben, die aufhören müssen, denn das Schlimmste was passieren kann ist, dass sich die Herzen der Menschen mit Rachegefühlen füllen." Als Geste der Solidarität stellte Spanien den Palästinensern 100 000 Dollar zur medizinischen Versorgung der Verletzten zur Verfügung.

In einer Analyse schreibt die arabische Tageszeitung "al Hayat", Palästinenserpräsident Jassir Arafat scheine die Gewalt über die palästinensische Straße und die Vertrauenswürdigkeit unter seinen eigenen Leuten verloren zu haben. "Seine moderate Politik scheint versagt und die letzte Explosion der Frustration unter den Palästinensern ausgelöst zu haben." Der Nahost-Experte und Assad-Biograf Patrick Seale schreibt, dass Hardliner aus dem militärischen Flügel von Arafats Fatah-Bewegung die Autorität des 71-Jährigen herausforderten und versuchten, die Kontrolle über die "Intifada" (Volksaufstand) zu gewinnen. Diese Gruppe bevorzuge "direkte Aktionen" gegen Israel statt Arafats Verhandlungstaktik. "Es gibt keinen Zweifel, dass diese Tendenz von der Hisbollah beeinflusst wurde, die Israel durch einen Guerilla- Krieg aus Südlibanon herausgeworfen hat", schreibt Seale. Die Beiruter Tageszeitung "al Safir" stellt in den Raum, ob der Gewaltausbruch der Palästinenser in eine Art Befreiungskampf münden könnte, wie ihn die Algerier gegen Frankreich und die Südjemeniten gegen Großbritannien geführt haben.

"Die Ruhe vor dem Sturm", schreibt der Beiruter "Middle East Reporter". Führer radikaler Palästinensergruppen in Libanon und Syrien hätten bereits besprochen, wie man den Palästinensern in den autonomen Gebieten helfen könnte. Einig sei man sich jedoch darin gewesen, "dass es nicht im Interesse Libanons sei, eine neue Front im Süden zu eröffnen." Der Friedensprozess aus Sicht der Araber zu wäre zu retten, wenn Israel Entscheidungen träfe und die Palästinenser beispielsweise ihre Souveränität über Ost-Jerusalem erhielten. "Das ist besetztes Land, und das muss an seine rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden", sagt Ägyptens Staatschef Mubarak.

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