Politik : Nahost-Krise: Arafat zu neuen Friedensgesprächen in USA?

Nach der zwischen Israel und den Palästinensern vereinbarten Waffenruhe unternehmen beide Seiten offenbar ernsthafte Anstrengungen, die Gewalt tatsächlich einzudämmen. Palästinenser-Präsident Jassir Arafat will außerdem nach Angaben seines Chefunterhändlers Sajeb Erakat zu neuen Gesprächen mit Präsident Bill Clinton in die USA reisen. Arafat werde möglicherweise in kürze seine Reise offiziell bekannt geben, sagte Erakat nach einem Treffen mit US-Außenministerin Madeleine Albright in Washington. Albright hatte Arafat vorgeworfen, sich nicht energisch genug für ein Ende der Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis einzusetzen.

Am Freitag kam es nach dem traditionellen Mittagsgebet in mehreren Städten im Westjordanland und im Gazastreifen zwar abermals zu Demonstrationen Hunderter Palästinenser. Anders als bei den Ausschreitungen der vergangenen Wochen waren die Teilnehmer jedoch meist unbewaffnet. Auch das Freitagsgebet auf dem Tempelberg in Jerusalem ging ohne größere Zwischenfälle vorüber. Im Westjordanland kam es aber dennoch zu tödlichen Zwischenfällen. Israelische Soldaten erschossen zwei bewaffnete Palästinenser. Bei den übrigen Zusammenstößen setzten die Soldaten dagegen meist Tränengas gegen jugendliche Steinewerfer ein oder feuerten gezielt Stahlgeschosse mit Gummimantel auf die Beine der Angreifer. Bis zum Abend wurden über 50, jedoch meist leichtere Verletzungen gemeldet.

Nach dem Bombenanschlag in West-Jerusalem am Donnerstag, bei dem zwei Israelis starben, wurden die Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt massiv verstärkt. Zu dem Anschlag bekannte sich die radikale Palästinensergruppe "Islamischer Dschihad", die zugleich weitere Attentate in Israel ankündigte. Arafat verurteilte den Anschlag. Er bekräftigte, dass er die zwischen ihm und dem israelischen Regionalminister Schimon Peres ausgehandelte Waffenruhe verwirklichen wolle.

Sechs Ärzte der Bundeswehr flogen am Freitag von Köln aus in die Krisenregion. Sie sollen den Transport von rund 50 im Gazastreifen verletzten palästinensischen Kindern und Jugendlichen nach Deutschland vorbereiten. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte diese Hilfe bei seinem Besuch am Mittwoch in Gaza zugesagt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar