Politik : Nahost-Krise: Israel tötet bei Raketenangriff Fatah-Führer

Bei einem israelischen Raketenangriff auf das Auto eines Anführers der Fatah, der Organisation von Palästinenserpräsident Jassir Arafat, im palästinensischen Westjordanland sind am Donnerstag neben dem 33-jährigen Hussein Abajat auch zwei unbeteiligte palästinensische Hausfrauen getötet worden. Die beiden Frauen im Alter von 52 und 57 Jahren standen nach Augenzeugenberichten vor ihren Häusern in dem Ort Bet Sachur, als eine Rakete aus einem Kampfhubschrauber das Auto des Fatah-Mannes traf. Die Frauen wurden bei der Explosion so schwer verletzt, dass sie Stunden später in einem Krankenhaus starben. Der Fatah-Chef im Westjordanland, Marwan Barghuthi, kündigte Vergeltung für den Tod Abajats an. Im Gazastreifen erschossen israelische Soldaten einen 14-jährigen Palästinenser.

Die Armee teilte mit, Hubschrauber der Luftwaffe hätten den Einsatz eingeleitet, nachdem eine "bewaffnete Gruppe" entdeckt worden sei. Diese habe sich in einer Position befunden, aus der Schützen häufig israelische Sicherheitskräfte, die jüdische Siedlung Gilo und das Rachel-Grabmal nahe Bethlehem unter Beschuss genommen hätten. Abajat habe sich seit Anfang Oktober an mindestens drei Schießereien beteiligt, in denen drei Soldaten getötet worden seien. Die Angriff sei im Rahmen der Bekämpfung von "Elementen" erfolgt, die für die Eskalation der Gewalt verantwortlich seien.

Die Fatah kündigte nach dem Tod Abajats an, Vergeltung an jüdischen Siedlern und israelischen Soldaten zu üben. Barghuthi sagte Reuters, die Fatah werde ihre Angriffe im Westjordanland und im Gaza-Streifen ausweiten. Bei dem Angriff auf Abajat habe es sich um ein Attentat gehandelt, das Israels Ministerpräsident Ehud Barak und der Armeechef Schaul Mofaz angeordnet hätten. Nach seinen Angaben war der 33-jährige Abajat ein hochrangiges Mitglied der Fatah. Die 1950 gegründete Fatah ist die größte Fraktion der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO).

Der neue, schwere Zwischenfall geschah wenige Stunden, nachdem die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Mary Robinson, ihre Untersuchung über angebliche Menschenrechtsverletzungen der Isrelis in den Palästinenser-Gebieten begonnen hatte. Robinsons Sondiereungen in Israel begannen mit einem Eklat. Das israelische Außenministerium verweigerte ihr Gespräch mit Außenminister Schlomo Ben-Ami und Regional-Minister Schimon Peres, weil sie sich weigerte, auch mit dem rechtsgerichteten Vorsitzenden der Likud-Partei, Ariel Scharon, zu sprechen. Arafat war in der Nacht in Washington eingetroffen, wo er mit US-Präsident Bill Clinton über Wege zur Beendigung der Gewalt im Nahen Osten beraten wollte. Es wurde erwartet, dass Arafat den UNO-Sicherheitsrat auffordert, eine 2000 Mann starke internationale Schutztruppe in die Palästinensergebiete zu entsenden. Sowohl UNO-Generalsekretär Kofi Annan als auch Clinton sind gegen eine solche Schutztruppe, solange diese von Israel abgelehnt wird.

Die radikalen Palästinensergruppen Hamas und Islamischer Dschihad riefen Arafat dazu auf, die Friedensverhandlungen mit Israel nicht wieder aufzunehmen. Stattdessen müsse der Aufstand gegen Israel fortgesetzt werden. In getrennten Appellen riefen die beiden Gruppen für Freitag zu einem "Tag des Zorns" auf. Die beiden Gruppen lehnen Friedensverhandlungen mit Israel strikt ab und haben bei Selbstmordanschlägen in Israel zahlreiche Menschen getötet.

Aus Angst vor weiteren Unruhen untersagte die israelische Militärführung unterdessen die für Donnerstag geplante jährliche Versammlung von jüdischen Gläubigen am Grab der Rachel in der Nähe von Bethlehem. Jüdische Siedler im Westjordanland warfen dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak vor, er halte sie von ihren heiligen Stätten fern und gewähre ihnen keine Sicherheit. Am Grab der Rachel kam es mehrfach zu Feuergefechten; es ist seit Beginn der Unruhen am 28. September geschlossen.

Militante Palästinenser planen angeblich einen Coup gegen Palästinenser-Präsident Jassir Arafat. Dies berichtete die israelische Tageszeitung "Jedioth Achronoth". Entsprechende Warnungen seien bereits an die USA übermittelt worden, berichtete die israelische Zeitung am Donnerstag. Dem Bericht zufolge habe Arafat inzwischen die Kontrolle über die Entwicklung der "Intifada" vor allem im Westjordanland verloren, wo der Chef der Fatah-Organisation, Barguti, die örtlichen Milizen kontrolliere.

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