Politik : Nahost-Krise: "Jerusalem geht die gesamte muslimische Welt an"

Die israelische Linke steht unter Schock,fragt

Die israelische Linke steht unter Schock und fragt sich, warum die Gewalt ausbrach, obwohl Barak mehr anbot als jeder israelische Regierungschef vor ihm.

Bei Netanyahu war alles noch offen. Das Problem Jerusalem war gar nicht berührt worden. Es war eine Illusion zu glauben, dass die kritischen Punkte auf dieselbe Art gelöst werden könnten wie die anderen Fragen vorher, und dass es sich um einen linearen und unumkehrbaren Prozess handelte. Dazu kommt, dass Jerusalem nicht nur ein palästinensisches Anliegen ist, sondern alle Araber und Muslime betrifft und Juden und Christen in der ganzen Welt. Hier geht es um Fragen der Identität.

War Camp David II also ein Fehler?

Es lag auch an der Konstruktion. Es war vorher vereinbart worden, dass Teilerfolge null und nichtig sein würden, wenn es zu keiner Gesamtlösung käme. 70 Prozent der Probleme oder mehr wurden gelöst. Weil sie sich nicht über Jerusalem einigen konnten, war am Ende alles wieder verloren.

Das, was man den eigenen Leuten sagt und das, was man dem Gegenüber beteuert, klafft im Nahen Osten oft weit auseinander.

Ein grundlegendes Problem. Ich beziehe mich jetzt nur auf den arabischen Aspekt: Unsere Führung repräsentiert nie die ganze Bevölkerung. Politiker bieten einen Kompromiss an, während ein Teil der Gesellschaft weiter kämpfen möchte. Im Konflikt mit Israel gibt es zwei Bezugsrahmen. Der eine heißt "Friedenskultur" und der andere bezieht sich auf nationale Zielsetzungen - zwei sich widersprechende Sprachen.

Werden die arabischen Staaten auf dem Gipfel rethorisch die Muskeln spielen lassen?

Es gibt einen gemeinsamen Feind für alle Parteien: Die Möglichkeit, dass ihnen die Situation aus der Hand gleitet.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar