Politik : Nahost-Krise: Jetzt droht auch die "Intifada der Juden"

Charles A. Landsmann

Während die Kämpfe in den palästinensischen Autonomiegebieten anhalten, hat sich in Israel selbst eine zweite Front aufgetan: "Die Befürchtung: Bürgerkrieg" - titelte die Zeitung "Maariv". In der Nacht zum Dienstag "brannte" das israelische Kernland: Jüdische und arabische Banden demonstrierten nicht nur gegeneinander, sondern bekämpften einander mittels Brandstiftungen, Straßenbarrikaden und Schlägereien.

Staatspräsident Mosche Katzav, Ministerpräsident Ehud Barak und Oppositionschef Ariel Scharon riefen die Bürger - sowohl Juden als auch Araber - auf, die jeweils andere Bevölkerungsgruppe zu respektieren.

Diesen einmaligen Aufruf hatten schlimmste Bilder aus dem Tel Aviver Armenviertel Hatikwa ausgelöst, wo drei Wohnungen von Arabern angezündet, ein Restaurant, in dem angeblich Araber kochen und servieren, total verwüstet, und mehrere Araber krankenhausreif geschlagen wurden. Zum zweiten Mal wurde in Tiberias die Moschee in Brand gesetzt, ebenso wie Synagogen in Haifa, Ramle, Shfaram und in Jaffa, dem arabischen Viertel von Tel Aviv, wo auch eine Moschee angezündet wurde.

Die Ausschreitungen und Zusammenstöße zwischen Juden und Arabern, die sich in den vergangenen Tagen auf den Norden des Landes beschränkt hatten, breiteten sich inzwischen aufs ganze Land aus: In fast allen größeren und kleineren Städten, bis an den Rand der Negevwüste, kam es zu gewaltsamen Provokationen, diesmal meist von jüdischer Seite her: Von einer "Intifada der Juden" schreibt schon das Massenblatt "Yedioth Ahronoth".

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