Politik : Nahost-Krise: Jugendlicher verübt Selbstmordanschlag im Gaza-Streifen

Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Armeestützpunkt im Gaza-Streifen ist nach israelischen Angaben ein junger Palästinenser getötet und ein israelischer Soldat leicht verletzt worden. Die israelische Armee teilte am Donnerstag mit, es habe sich offenbar um einen Jugendlichen gehandelt, der mit seinem Fahrrad und Sprengstoff auf den Armeeposten zugefahren sei. Israel schreibt den Anschlag der radikal-islamischen Gruppe Dschihad zu, deren Anführer Scheich Fathi Schkaki vor genau fünf Jahren auf Malta ermordet wurde.

Der israelische Befehlshaber im Gazastreifen, Generalmajor Jom-Tov Samia, beschuldigte zudem die palästinensischen Behörden, den Anschlag nahe der jüdischen Siedlung Kfar Darom nicht verhindert zu haben. Israels Armee hatte bereits seit Tagen davor gewarnt, dass radikale arabische Gruppen womöglich Selbstmordanschläge auf israelische Ziele planten. Sollten sich die israelischen Angaben über den Zwischenfall bestätigen, wäre dies der erste Selbstmordanschlag bei den seit Wochen andauernden Unruhen in den Palästinensergebieten. Dabei sind nunmehr mindestens 132 Menschen ums Leben gekommen, die meisten von ihnen Palästinenser.

US-Präsident Bill Clinton hatte die Konfliktparteien im Nahen Osten am Vortag aufgefordert, die Gewalt wie vereinbart zu beenden. Er sei überzeugt, dass dies möglich sei, auch wenn es auf beiden Seiten Gruppen gebe, die nicht vollständig unter der Kontrolle der jeweiligen politischen Führung stünden, sagte Clinton. Wenn beide Seiten ihre auf dem Nahost-Gipfel im ägyptischen Scharm el Scheich gegebenen Zusagen einlösten, sei es möglich, das Ausmaß der Gewalt einzudämmen.

Samia sagte nach einem nächtlichen Treffen mit palästinensischen Sicherheitsexperten, von der Begegnung seien ermutigende Signale ausgegangen. Es habe ein optimistischerer Ton als bei allen anderen Treffen beider Seiten in den vergangenen Wochen vorgeherrscht. Ob eine Übereinkunft zur Beendigung der Gewalt erzielt wurde, ließ Samia offen.

Unterdessen verabschiedete das US-Repräsentantenhaus eine Resolution, in der die Palästinenser für die blutigen Unruhen der letzten Wochen verantwortlich gemacht werden. Die Entschließung wurde mit 365 gegen 30 Stimmen angenommen. Darin wird dem Staat und Volk von Israel "die volle Unterstützung in einer krisenhaften Zeit" zugesichert. Die palästinensische Führung wird wegen "Anstachelung zur Gewalt" verurteilt. Dagegen haben der Sicherheitsrat und die Vollversammlung der Vereinten Nationen Israel wegen der unverhältnismäßig harten Antwort auf die palästinensischen Proteste verurteilt. Unterdessen kündigte Israel an, Außenminister Schlomo Ben Ami werde am Dienstag in die USA reisen.

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