Nahost-Krise : Libanesische Armee rückt in den Süden des Landes vor

Die libanesische Armee hat am Morgen ihren Vormarsch in den Südlibanon begonnen. Die 15.000 Soldaten sollen parallel zum Rückzug der israelischen Armee die Kontrolle über das Gebiet übernehmen.

Beirut - Das teilte ein hochrangiger Offizier in Beirut mit. Die regulären libanesischen Streitkräfte sollen gemeinsam mit einer UN-Friedensmission (UNIFIL) dafür sorgen, dass keine neuen Kämpfe zwischen den israelischen Streitkräften und der Hisbollah-Miliz im Süden Libanons aufflammen.

Nach dem Inkrafttreten der Waffenruhe am Montag begann die israelische Armee damit, sich aus dem Süden Libanons zurückzuziehen. Zugleich ist vorgesehen, die UNIFIL von bislang 2000 Soldaten auf bis zu 15.000 aufzustocken. In New York ist für Donnerstag eine Truppensteller-Konferenz einberufen, auf der die einzelnen Staaten ihre Möglichkeiten zur Verstärkung der Truppe vorstellen wollen.

Unterdessen teilte der stellvertretende israelische Regierungschef Schimon Peres in Washington mit, dass sein Land die Seeblockade vor der libanesischen Küste aufrechterhalte. Lediglich zivile Schiffe seien davon ausgenommen. Zu den beiden von der libanesischen Hisbollah-Miliz im libanesisch-israelischen Grenzgebiet gefangen genommenen israelischen Soldaten sagte Peres, nach seinen Informationen seien sie am Leben und bei guter Gesundheit. Peres äußerte sich vor einer jüdischen Vereinigung in der US-Hauptstadt.

Hisbollah stimmt begrenzter Entwaffnung zu

Die radikalislamische Hisbollah-Miliz hat einer begrenzten Entwaffung zugestimmt. Die libanesische Armee könne im Verlauf ihrer Stationierung im Südlibanon ab Donnerstag all jene Waffen beschlagnahmen, die sie dort findet, sagte der libanesische Regierungssprecher Ghasi Aridi am Mittwoch in Beirut. "Wenn eine Waffe gefunden wird, lassen unsere Brüder von der Hisbollah es zu, dass die Armee sie beschlagnahmt", sagte Aridi. Eine Zwangsentwaffnung der Miliz lehnte er ab. "Es wird keine Konfrontation mit der Hisbollah geben."

Der UN-Sicherheitsrat hat die Entwaffnung der Hisbollah verlangt, auch Israel fordert dies vehement. Politische Beobachter im Libanon vermuten, dass die Hisbollah ihre Waffen zu großen Teilen in Verstecken lagern wird, um sie im Konfliktfall wieder einzusetzen. (tso/AFP)

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