Politik : Nahost-Krise: Tote am "Tag des Zorns"

An dem von radikalen Palästinenserorganisationen ausgerufenen "Tag des Zorns" sind am Freitag mindestens zehn Menschen getötet worden, darunter ein zwölfjähriger Junge. Nach Krankenhausangaben wurden im Westjordanland drei Palästinenser durch Schüsse israelischer Soldaten getötet, sechs weitere starben im Gaza-Streifen, der Zwölfjährige geriet in der Jerusalemer Altstadt zwischen die Fronten. Die Polizei stürmte am Freitagabend nach Angaben des israelischen Rundfunks den Tempelberg, wo die Unruhen am Freitagmittag begonnen hatten und vertrieb die letzten Demonstranten. In Jerusalem wurden bei den Zusammenstößen mit der Armee mindestens 17 Palästinenser verletzt, im Westjordanland und im Gaza-Streifen Dutzende weitere.

Begonnen hatten die Unruhen nach dem traditionellen Freitagsgebet auf dem Jerusalemer Tempelberg. Von dort aus breiteten sie sich in den Gaza-Streifen und ins Westjordanland aus. In der Altstadt von Jerusalem feuerten israelische Soldaten am Freitagnachmittag in die Menge, als Demonstranten das Löwentor, einen der Eingänge in die Altstadt, mit Steinen bewarfen. Die Demonstranten setzten den leer stehenden Polizeiposten am Löwentor in Brand und zerstörten in den umliegenden Straßen eine Reihe von Überwachungskameras. Auf der Höhe des Tempelbergs hissten sie eine palästinensische Fahne.

US-Außenministerin Madeleine Albright kündigte indessen eine neue Runde der Friedensverhandlungen an. Sie sagte dem US-Nachrichtenkanal Fox am Freitag, Ehud Barak und Jassir Arafat hätten "im Prinzip" zugestimmt, Vertreter zu neuen Verhandlungen nach Washington zu schicken, sobald in Israel wieder Ruhe eingekehrt sei. Albright rief Barak und Arafat dazu auf, ihre am Mittwoch in Paris gemachten Zusagen einzuhalten und ihre Anhänger zu Gewaltfreiheit aufzurufen. Mit der Eskalation der Gewalt in Israel wird sich am 21. und 22. Oktober auch ein Nahost-Gipfel der arabischen Staats- und Regierungschefs befassen, den der ägyptische Präsident Husni Mubarak am Freitag in Kairo angekündigte. Mubarak, gleichzeitig Präsident der arabischen Liga, forderte eine Antwort auf Israels "maßlose" Gewaltanwendung gegenüber den Palästinensern. An dem arabischen Gipfeltreffen soll erstmals seit der Invation Kuweits im Jahr 1990 auch der Irak teilnehmen. Allein der libysche Staatschef Muammar el Gaddafi gab am Freitag bekannt, er werde das Treffen boykottieren, da es keine Kriegserklärung an Israel vorsehe.

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