Politik : Nahost-Krise: Treffen der Geheimdienstchefs in Kairo

Bei einem Angriff der israelischen Armee auf eine Gruppe von Palästinensern sind am Sonntagabend im Westjordanland fünf Menschen getötet worden. Das teilten palästinensische Krankenhausärzte und Augenzeugen am Montag mit. Unter den Toten waren demnach auch zwei 16 und 17 Jahre alte Jugendliche. Ein israelischer Militärsprecher hatte zuvor von vier Toten auf Seiten der Tansim-Miliz, dem bewaffneten Arm der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat, gesprochen. Nach seinen Angaben erschoss ein Armeekommando die bewaffneten Männer unweit von Kalkilia im Nordwesten des Westjordanlandes, die zuvor in der Nähe der jüdischen Siedlung Alfei Menasche auf ein israelisches Auto gefeuert hätten. Die Chefs der israelischen und palästinensischen Sicherheitskräfte sprachen unterdessen in Kairo über Maßnahmen zur Eindämmung der Gewalt.

Wie der israelische Rundfunk berichtete, traf der Chef des Inlandsgeheimdienstes Schin Beth, Avraham Dichter, am Sonntag mit dem palästinensischen Sicherheitschef für den Gazastreifen, Oberst Mohammad Dahlan, zusammen. Nach einem tödlichen Bombenanschlag auf einen israelischen Schulbus im Gazastreifen am 20. November hatten Teile der Armee Dahlan dafür verantwortlich gemacht. Der israelische Oppositionsführer vom rechtsgerichteten Likud-Block, Aron Scharon, hatte dazu aufgerufen, Dahlan zu "eliminieren". Parallel zu dem Treffen in Kairo berieten nach Angaben der israelischen Armee hochrangige israelische und palästinensische Offiziere in den Autonomiegebieten über Möglichkeiten, die Arbeit der gemeinsamen Verbindungsbüros wieder aufzunehmen. Darauf hatten sich Arafat und der israelische Ministerpräsident Ehud Barak am Wochenende nach Vermittlung Russlands geeinigt.

Ein hoher palästinensischer Sicherheitschef erklärte indes nach einem Treffen mit einem für Sicherheit zuständigen israelischen Offizier, die Gespräche seien ohne Ergebnis geblieben. Zugleich beschuldigte er Israel, seine "terroristische Politik" gegen Zivilisten fortzusetzen. Ein Palästinensersprecher für das Gebiet Kalkilia warf seinerseits der israelischen Armee vor, die fünf Männer im Alter zwischen 16 und 28 Jahren am Sonntagabend "kaltblütig" erschossen zu haben. Er bestritt zugleich, dass die Opfer Mitglieder der Fatah gewesen seien.

Im Gazastreifen erlag ein 17-jähriger Palästinenser am Montag seinen Schussverletzungen. Nach Krankenhausangaben hatte ihn ein israelischer Soldat in der vergangenen Woche am Kontrollpunkt Karni zwischen dem Gazastreifen und Israel am Kopf getroffen. Seit dem Beginn der Unruhen vor zwei Monaten starben damit 289 Menschen, die meisten von ihnen Palästinenser sowie 35 Israeli.

Israelische Wissenschaftler haben das Verhältnis der israelischen Behörden zur arabischen Bevölkerung des Landes als undemokratisch kritisiert. Die arabische Minderheit werde in erster Linie als Sicherheitsproblem und demographische Bedrohung des Staates betrachtet, kritisierten die Forscher der Hebräischen Universität Jerusalem nach einem Bericht der Zeitung "Haaretz". An konkreten Veränderungen fordern die Verfasser der Studie, die der Regierung vorgelegt wurde, ein offizielles Gedenken für die im Krieg von 1948 zerstörten arabischen Dörfer. Zudem solle sich die Regierung gegenüber der arabischen Bevölkerung für zugefügtes Leid und Unrecht entschuldigen, finanzielle Entschädigung für zerstörten Besitz leisten und die Familienzusammenführungen zulassen.

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