Nahost : Neue Welle der Gewalt im Gazastreifen

Noch herrscht eigentlich Waffenruhe zwischen Israelis und Palästinensern, doch die Gewalt im Gazastreifen eskaliert. Bei einem Luftangriff der Israelis wurden vier Palästinenser verletzt - als Antwort feuerte die Hamas 15 Raketen auf Israel ab. Vor allem Hilfsorganisationen sind besorgt.

Tel Aviv/GazaDurch einen israelischen Luftangriff sind am Freitag im Norden des Gazastreifens vier Palästinenser verletzt worden. Wie palästinensische Rettungskräfte und Augenzeugen berichteten, handelte es sich bei den Opfern der Hubschrauberattacke um Mitglieder der El-Kuds-Brigaden, des bewaffneten Arms der Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad. Ein israelischer Armeesprecher bestätigte, dass es einen Luftangriff gegeben habe, nannte aber keine Einzelheiten. Im Gegenzug feuerten militante Palästinenser 15 Raketen auf Israel ab.

Erstmals seit Beginn der Waffenruhe am 19. Juni bekannte sich die radikalislamische Hamas-Organisation zu den Raketenabschüssen. Der Sprecher des bewaffneten Flügels der Hamas, Abu Obeida, drohte Israel damit, dass es einen "großen Preis" zahlen werde. Die auf sechs Monate befristete Waffenpause läuft im Dezember ab.

Appelle an Israel, die Grenzen zu öffnen

Die jüngste Runde der Gewalt hatte am Dienstag vergangener Woche begonnen. Seitdem sind bei israelischen Militäreinsätzen neun militante Palästinenser sowie ein Zivilist getötet worden. Im Gegenzug feuerten Palästinenser nach Angaben eines Armeesprechers mehr als 70 Raketen und Mörsergranaten auf Israel ab. Ein Auslöser für den bislang schwersten Bruch der Waffenruhe war die Sprengung eines rund 250 Meter langen Tunnels, den militante Palästinenser vom Gazastreifen in Richtung Israel gegraben hatten. Nach Armeeangaben wollte die Hamas den Tunnel für die Entführung israelischer Soldaten oder einen Anschlag nutzen.

Als Reaktion auf die Welle der Gewalt hat Israel den Gazastreifen abgeriegelt. In den vergangenen zehn Tagen waren die Grenzübergänge nur am Dienstag und Mittwoch offen. Das UN-Hilfswerk für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) warnte davor, dass es wegen der Blockade keine Lebensmittel mehr verteilen könne. Nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International steht der Gazastreifen mit seinen rund 1,5 Millionen Palästinensern kurz vor der Katastrophe.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich "tief beunruhigt" über die Verschlechterung der Lage im Gazastreifen und forderte die israelische Regierung auf, die Blockade des Gazastreifens aufzuheben. Er sei besorgt, dass hunderttausenden Menschen Nahrungsmittel und andere lebensnotwendige Hilfen vorenthalten würden. Auch EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner appellierte an Israel, die Grenzübergänge zum Gazastreifen für Nahrungsmittel und Medikamente zu öffnen. (nis/mhz//dpa/AFP)

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