Nahost : Olmert will an Gaza-Offensive festhalten

Ungeachtet massiver Proteste und der Bilanz von 47 Toten will Israel seine Militäroffensive im Gazastreifen fortsetzen. Am Jahrestag der Ermordung von Jizchak Rabin demonstrierten unterdessen in Tel Aviv rund 100.000 Menschen für Frieden.

Jerusalem - "Die Operation hat ein Zeitlimit, aber wir haben nicht vor, zu verkünden, wann sie endet", sagte der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte sich zuvor an den UN-Sicherheitsrat gewandt, um ein Ende der tödlichen Angriffe zu erwirken. Seit Beginn der Offensive wurden mindestens 47 Palästinenser getötet, darunter Kinder und Jugendliche. Sowohl im Inland als auch im Ausland gab es Proteste. In Israel gingen etwa 100.000 Menschen aus Anlass des 11. Todestages von Jizchak Rabin auf die Straße, um für Frieden mit den Palästinensern zu demonstrieren.

Olmert sagte, Israel habe schon immer gesagt, dass es keine Raketenangriffe auf sein Land dulde. "Die meisten getöteten Palästinenser waren bewaffnete Männer", betonte er. "Leider benutzen die Palästinenser Zivilisten als menschliche Schutzschilde." Vize-Verteidigungsminister Efraim Sneh sagte, Ziel sei es, die "Infrastruktur" der radikalislamischen Hamas zu beschädigen und "die Abschusslinie der Raketen gegen das israelische Gebiet" ins Landesinnere zurückzudrängen.

Allein am Samstag neun tote Palästinenser

Seit Beginn der Offensive am Mittwoch wurden mindestens 47 Palästinenser getötet und mehr als 200 weitere verletzt. Unter den Toten waren mindestens 25 Bewaffnete. Allein am Samstag starben neun Palästinenser, darunter ein zwölfjähriges Mädchen und ein 16 Jahre alter Junge. In Beit Hanun umstellten israelische Soldaten ein Krankenhaus. Der Leiter der Klinik, Nasser Raduan, sagte, niemand dürfe in das Gebäude verlassen oder hineingehen. In der Klinik mangele es an Wasser und Strom zur Versorgung der Verletzten.

Die finnische EU-Ratspräsidentschaft zeigte sich "hochgradig beunruhigt" über das Ausmaß der Gewalt und warf Israel Unverhältnismäßigkeit vor. Der Leiter der UN-Flüchtlingshilfe in Gaza, John Ging, bezeichnete die Lage als "verzweifelt". Frankreich und Großbritannien riefen Israel zur Zurückhaltung auf. Die USA äußerten Bedauern über die Tötung palästinensischer Zivilisten, verteidigten jedoch das Vorgehen der israelischen Armee als Maßnahme zum Selbstschutz.

Papst Benedikt XVI. in tiefer Sorge

Papst Benedikt XVI. erklärte auf dem Petersplatz in Rom, die Nachrichten "von der gravierenden Verschlimmerung der Lage im Gazastreifen" erfüllten ihn mit "tiefer Sorge". Den Zivilisten auf beiden Seiten drückte er seine Unterstützung aus. Die Gläubigen rief der Papst dazu auf, dafür zu beten, "dass der allmächtige Gott die israelischen und palästinensischen Behörden erhellen möge, damit kein Blut mehr vergossen wird".

In Tel Aviv gingen nach Angaben der Organisatoren am Samstag 100.000 Menschen auf die Straße, um des ermordeten Regierungschefs und Friedensnobelpreisträgers Jizchak Rabin zu gedenken und zugleich für den Frieden zu demonstrieren. Der Schriftsteller David Grossman, der seinen Sohn während des Libanon-Kriegs im Sommer verlor, forderte die israelische Regierung eindringlich auf, ihre Militäreinsätze einzustellen.

Rabin war am 4. November 1995 bei einer Friedenskundgebung von dem jüdischen Extremisten Jigal Amir erschossen worden. Der israelische Regierungschef hatte 1993 das Friedensabkommen mit den Palästinensern unterzeichnet und war dafür zusammen mit seinem Außenminister Schimon Peres und dem damaligen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. (tso/AFP)

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