Politik : Nahost: Palästinenser sprengenisraelischen "Merkawa"-Panzer

Neue Gewalt zwischen Israels Armee und radikalen Palästinensern hat am Freitag die diplomatischen Bemühungen von Bundesaußenminister Joschka Fischer und seines britischen Kollegen Jack Straw zur Vermittlung im Nahost-Konflikt belastet.

Israelische Infanterie und Panzereinheiten drangen am frühen Freitagmorgen in den Ort Seida im Westjordanland auf autonomem Palästinensergebiet ein. Sie zerstörten das Haus eines mutmaßlichen palästinensischen Extremisten und töteten ihn, als er sich weigerte, das Haus zu verlassen. Nach Augenzeugenberichten suchte die Armee mit Unterstützung von rund 20 Panzern und zwei Kampfhubschraubern nach weiteren radikalen Palästinensern. Nach Angaben des israelischen Rundfunks wurde mindestens ein gesuchter Palästinenser von Elitesoldaten festgenommen. Bei einer zweiten Armeeaktion in einem Dorf nahe Dschenin im Westjordanland nahmen Soldaten mindestens zwei weitere Mitglieder des Islamischen Dschihad fest.

Stunden zuvor hatten palästinensische Angreifer erstmals einen israelischen Panzer vom Typ "Merkawa" mit einer mächtigen Bombe gesprengt. Dabei wurden drei israelische Soldaten getötet, ein vierter wurde verletzt. Zu dem Anschlag, der den Kampf der Palästinenser für einen eigenen Staat nach dem Ersteinsatz von Raketen auf eine weitere Eskalationsstufe bringt, bekannte sich ein Bündnis militanter Gruppen unter dem Namen "Salahudin-Brigade". Die "Merkawa"-Panzer gehören zu den modernsten Panzern der Welt und sind mit dem deutschen "Leopard" vergleichbar. Besonderer Wert wurde bei der Konstruktion auf den Schutz der Besatzung gelegt.

"Wer immer geglaubt haben mag, man könne diese Art von Krieg ohne Opfer führen, der irrt sich", sagte der israelische Generaloberst Jomtow Samiah nach dem Panzer-Überfall. Der Widerstand gegen Panzer sei eine "neue Entwicklung", erklärte ein prominenter Vertreter der radikalen Organisation Hamas. Erst vor wenigen Tagen hatte die Hamas eine Rakete vom Typ "Kassam-2" auf israelisches Territorium abgefeuert.

Unterdessen bewarfen Hunderte palästinensische Demonstranten das Hauptquartier von Palästinenserpräsident Jassir Arafat in Ramallah am Freitag mit Steinen. Sie forderten die Freilassung von Untergrundkämpfern und beschuldigten die Autonomiebehörde der Repression. Mit Schlagstöcken bewaffnete palästinensische Polizisten umringten das Gebäude, in dem Arafat seit dem 3. Dezember faktisch unter Hausarrest steht. Außenminister Fischer will den Palästinenserchef am Samstag besuchen.

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