Politik : Nahost: Palästinenser und Israelis verhandeln wieder

Ungeachtet einer neuen Eskalation mit insgesamt sechs Todesopfern sind Sicherheitsbeamte Israels und der Palästinenser am Dienstagabend zu Gesprächen über Möglichkeiten zur Eindämmung der Gewalt zusammengetroffen. Nach palästinensischen Angaben fand das Treffen im israelisch-palästinensischen Verbindungsbüro nahe der Stadt Ramallah im Westjordanland statt. Die ersten Sicherheitsgespräche seit mehr als einem Monat, von denen beide Seiten allerdings wenig erwarteten, waren am Vorabend bei Vermittlungstreffen des US-Sonderbeauftragten William Burns vereinbart worden.

Bei gewalttätigen Zwischenfällen in den Palästinensergebieten kamen am Dienstag insgesamt sechs Menschen - drei Israelis und drei Palästinenser - ums Leben. Der israelische Rundfunk berichtete, bei einem im Westjordanland erschossenen Israeli handele es sich um den 40-jährigen Sicherheitschef der jüdischen Siedlung Itamar. Dieser sei erst vor wenigen Monaten bei einem Angriff von Palästinensern schwer verletzt worden. Der Schütze habe zunächst aus einem parkenden Auto und dann aus unmittelbarer Nähe auf den Mann gefeuert. Am Tatort seien 40 Patronenhülsen gefunden worden. Die Täter seien in Nablus untergetaucht. Im Gaza-Streifen schossen Panzer auf Palästinenser und verletzten nach Polizeiangaben fünf Polizisten.

In Moskau bemühte sich Palästinenser-Präsident Jassir Arafat unterdessen um die Unterstützung der russischen Regierung für seinen Vorschlag eines neuen Nahost-Gipfeltreffens. Der russische Außenminister Igor Iwanow kündigte nach seinem Treffen mit Arafat am Dienstag an, seine Regierung werde in der kommenden Woche einen eigenen Sondervermittler in den Nahen Osten entsenden. Burns hatte am Montag die Zustimmung beider Seiten für neue Sicherheitsgespräche erreicht. Arafat forderte jedoch, Burns sollte effektiver an den Gesprächen teilnehmen und nicht nur die Rolle eines Beobachters spielen. Auch Russland will sein Engagement im Nahen Osten verstärken, ohne den USA jedoch Konkurrenz zu machen.

Der israelische Wohnungsminister Nathan Scharanski hat den geplanten Bau von mehr als 700 neuen Wohneinheiten in zwei jüdischen Siedlungen im Westjordanland bestätigt. Israels Außenminister Schimon Peres sagte hingegen am Dienstagmorgen, Israel werde keine neuen Siedlungen bauen und kein palästinensisches Land für den Siedlungsbau mehr enteignen. Die Empfehlungen des so genannten Mitchell-Berichts für eine Beendigung der seit acht Monaten andauernden blutigen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern sehen unter anderem einen vollständigen Stopp des Siedlungsbaus in den besetzten Gebieten vor.

Schröder sagt Jordanien Hilfe zu

Berlin (dpa). Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich angesichts der Eskalation der Gewalt im Nahen Osten für verstärkte wirtschaftliche Unterstützung Jordaniens ausgesprochen. Die ganze Welt sei an der Stabilität des Landes interessiert, sagte er am Dienstag bei einem Treffen mit König Abdallah II. in Berlin. Der Kanzler plädierte für den raschen Abschluss eines Assoziierungsabkommens der EU mit Jordanien.

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