Politik : Nahost: Racheschwur. Ihr Führer ist tot - nun droht auch die "Volksfront" wieder

Andrea Nüsse

Die Zeit der spektakulären Aktionen der palästinensischen "Volksfront" PFLP sind lange vorbei. Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre machte die marxistische Gruppe unter ihrem Gründer George Habasch mit spektakulären Flugzeugentführungen von sich und dem Palästinenserproblem reden. Der Marxist-Leninist Habasch rechtfertigte die Entführungen mit dem Konzept der "revolutionären Gewalt". Der intellektuelle Kinderarzt baute die PFLP zur zweitstärksten Fraktion in der PLO hinter Jassir Arafats Fatah auf.

Die PFLP hat die Friedensverhandlungen von Oslo abgelehnt, weil sie einen Ausverkauf der Rechte der Palästinenser befürchtete. Sie fordert eine Lösung auf der Grundlage der UN-Resolutionen, die den Abzug Israels aus den besetzten Gebieten vorschreiben. Im Juli vergangenen Jahres trat der ergraute und kranke Habasch von seinem Amt zurück, um sich Studien über den israelisch-palästinensischen Konflikt zu widmen. Ihm folgte der jetzt ermordete Abu Ali Mustafa, der lange den militärischen Arm der PFLP leitete. Der als Pragmatiker charakterisierte Mann war um Versöhnung mit Arafat und der Fatah bemüht.

Abu Ali Mustafa stammte aus einem Dorf im Norden des Westjordanlandes und war Ende 1999 nach 32 Jahren Exil mit Einwilligung der Israelis nach Palästina zurück gekehrt. Damit verlegte sich auch das Zentrum der PFLP-Arbeit von Damaskus nach Palästina. Allerdings musste sich die PFLP im Lager der Gegner des Osloer Friedensprozesses mit einer bescheidenen Rolle hinter Hamas und Jihad begnügen, zwei Organisationen, die unter der Besatzung in Palästina entstanden waren.

Spektakuläre Militäroperationen hat die PFLP seither nicht zu vermelden, allerdings einige kleinere Anschläge. Doch die Ermordung des PFLP-Führers scheint die alten Geister zu neuem Leben erweckt zu haben: Das Mitglied des PFLP-Zentralkomitees Leila Khaled, die durch Flugzeugentführungen 1969 und 1970 weltbekannt wurde, hat Rache angekündigt. Israel werde "seine eigene Medizin trinken", kündigte sie am Montag in Amman an.

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