Politik : Nahost: Washington erwägt Reduzierung der Truppen auf dem Sinai

Im Rahmen der Überprüfungen ihrer Auslandseinsätze erwägen die USA derzeit, die Zahl ihrer Soldaten bei der multinationalen Friedenstruppe auf dem Sinai zu reduzieren. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld habe bei Gesprächen mit dem ägptischen Präsidenten Husni Mubarak und dem israelischen Regierungschef Ariel Scharon "vorgefühlt", was beide Seiten von einer möglichen Truppenreduzierung hielten, sagte Pentagon-Sprecher Craig Quigley am Donnerstag.

Nach Informationen der "New York Times" waren Mubarak und Scharon von Rumsfelds Vorschlag völlig überrascht. Während der ägyptische Präsident laut "NYT" einen Ausstieg der Amerikaner angesichts der zur Zeit hoch explosiven Lage im Nahen Osten rundheraus ablehnte, sagte der israelische Ministerpräsident nach anfänglichem Widerstand, er könne damit leben unter der Voraussetzung, dass die USA eine "symbolische Präsenz" beibehielten.

US-Präsident George Bush erinnerte an sein Wahlkampfversprechen, die Auslandseinsätze der Armee einer umfassenden Revision zu unterziehen. Er habe schon immer den Eindruck gehabt, das US-Engagement im Ausland gehe zu weit und sorge dadurch "für moralische Probleme" innerhalb der Armee, sagte Bush. Doch sei klar, "dass wir Verpflichtungen eingegangen sind und uns jetzt nicht einfach aus der Verantwortung stehlen werden". Die 1982 im Rahmen des Friedensabkommens von Camp David im Sinai stationierten Friedenstruppen umfassen 1900 Soldaten aus elf Ländern. Davon stellen die USA mit 860 Soldaten fast die Hälfte.

Nach einer kurzen Phase der Entspannung verschärfte sich der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern am Freitag wieder. Im Anschluss an die muslimischen Mittagsgebete kam es in Jerusalem zu Ausschreitungen. Dabei drangen israelische Polizisten erstmals seit dem Beginn der Ausschreitungen im vergangenem September auf das Gelände am Tempelberg vor. Zuvor hatten Palästinenser von den Mauern um die Al-Aksa-Moschee Steine auf die Sicherheitskräfte geworfen.

In Ramallah wurden vier Palästinenser nach Krankenhausangaben von israelischen Soldaten durch Schüsse verletzt. In der Stadt zogen etwa tausend Palästinenser Fahnen schwenkend an eine Straßensperre der israelischen Armee. Bei Rafah im Gazastreifen wurde palästinensischen Angaben zufolge ein Journalist angeschossen, als er Schäden der israelischen Luftangriffe dokumentieren wollte. Drei weitere Palästinenser wurden nahe eines Flüchtlingslagers bei Ramallah durch Schüsse israelischer Soldaten verletzt.

Palästinenserpräsident Jassir Arafat schlug dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon vor, gemeinsam zum Ende der Gewalt aufzurufen. Scharon habe dies abgelehnt, sagte ein Berater. Arafats Vorschlag wurde nach Angaben des palästinensischen Kabinettsministers Sajeb Erakat erstmals am Donnerstag bei einem Treffen mit amerikanischen Kongress-Abngeordneten geäußert. Die US-Delegation überbrachte Scharon den Vorschlag. Dieser habe sich aber zurückhaltend geäußert, sagte der Berater. Scharon bevorzuge Tagen statt Worte.

Am Freitagmorgen hatten israelische Soldaten einen Teil der Straßensperren im Gazastreifen entfernt und die Reisebeschränkungen für Palästinenser gelockert. Dennoch bildeten sich an den Kontrollpunkten der Armee lange Staus. Israelische Soldaten inspzierten jedes Auto, das die Kontrollpunkte passieren wollte. "Wir fühlen uns immer noch wie in einem großen Gefängnis", kritisierte ein palästinensischer Taxifahrer in Gaza.

Arafat hatte zuvor angeordnet, die Angriffe von palästinensischen Wohngebieten aus einzustellen. Ungeachtet dessen wurden am Freitag mindestens drei weitere Einschläge von Mörsergranaten gezählt. Ein palästinensischer Polizeikommandeur im Gazastreifen sagte indes, man werde Arafats Anordnung umsetzen, "um die israelische Aggression zu beenden". Es gehe darum, Opfer unter der palästinensischen Zivilbevölkerung zu vermeiden, die es bei israelischen Vergeltungsschlägen geben könne, erklärte ein Offizierder Sicherheitskräfte.

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