• Nahost: Wer hat wem abgesagt? Ärger in Damaskus wegen des geplatzen Syrien-Besuchs von Arafat

Politik : Nahost: Wer hat wem abgesagt? Ärger in Damaskus wegen des geplatzen Syrien-Besuchs von Arafat

Andrea Nüsse

Eine offizielle Reaktion auf den geplatzten Versöhnungsbesuch von Palästinenserpräsident Jassir Arafat in Damaskus blieb am Mittwoch in Syrien aus. "Palästinenser und Syrer müssen ihre Beziehungen neu ordnen", hat Verteidigungsminister Mustafa Tlass angeblich im Gespräch mit dem Chef der Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas gesagt. Das kann man so sagen. Denn der syrische Präsident Bashar al-Assad wird es Arafat wohl verübeln, dass der ihn hat sitzen lassen, um sich stattdessen mit dem israelischen Außenminister Shimon Perez am Mittwoch in Gaza zu treffen.

Noch schieben sich beide Seiten gegenseitig die Schuld dafür zu, dass der Besuch erst abgesagt wurde, als das syrische Protokoll bereits am Flughafen von Damaskus zum Empfang Arafats Aufstellung genommen hatte und Arafat angeblich zum Abflug bereit im jordanischen Flughafen von Marka saß. Wahrscheinlich hat Syrien den Besuch letztendlich abgesagt, nachdem Arafat die Syrer darüber informierte, dass er den Besuch auf einen Tag verkürzen will, um Peres treffen zu können. Der syrische Präsident, der jeden Kompromiss gegenüber Israel ablehnt und auf der vollständigen Rückgabe des besetzten Golan besteht, wird dafür wenig Verständnis gehabt haben.

In einem Augenblick, wo al-Assad sich Arafat annähern will, entscheidet dieser sich gegen ihn und für die Achse Jerusalem-Washington. Dabei versteht sich Syrien als größter Verfechter palästinensischer Interessen in der arabischen Welt und hat auch in den vergangenen Debatten die Vorreiterrolle der arabischen Welt übernommen.

Ob Arafat den mehrfach verschobenen Syrien-Besuch benutzt hat, um Druck auf die USA auszuüben, damit sie den israelischen Premierminister Ariel Scharon zur Zustimmung zum Treffen von Arafat und Peres bringen, ist möglich. Andererseits ist es auch denkbar, dass die USA nicht nur Scharon unter Druck gesetzt haben, sondern auch Arafat: Sie könnten ihn gewarnt haben, dass sie die Palästinenser in das Lager der Terroristen einordnen, falls Arafat nach Syrien reist. Denn Syrien wird in Washington als Regime gesehen, dass den Terrorismus fördert.

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