Politik : Nahost: Werbetour mit Hindernissen

Andrea Nüsse

Nicht weniger als zwölf Staaten will US-Vizepräsident Dick Cheney innerhalb von zehn Tagen besuchen. Nachdem in Washington die Würfel für einen Krieg gegen Irak gefallen zu sein scheinen, soll der zweithöchste Repräsentant der Weltmacht in der arabischen Welt um Verständnis und Unterstützung eines Militärschlags gegen den irakischen Präsidenten Saddam Hussein werben.

Viel Zeit für Diskussionen und Beratungen bleibt bei solchem Zeitplan nicht. Aber die arabischen Staaten dürfen ihre Bedenken vortragen. Zumindest diejenigen, die nicht zu widerspenstig sind. Syrien, Libyen oder die Palästinensergebiete, wo der Widerstand gegen eine Militäraktion am größten ist, lässt Cheney aus. Stattdessen begann er am Dienstag mit Jordanien, dem Musterknaben in der Zusammenarbeit gegen den Terror.

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Wirklich bedroht fühlt sich derzeit wohl kein arabischer Herrscher von Saddam Hussein, dessen Land nach 12 Jahren Sanktionen am Boden liegt - und die Angst vor einer weiteren Destabilisierung ist groß. Hinter verschlossenen Türen wird Jordanien gleichwohl erklären, dass es sich nicht in den Weg stellen werde. Was das kleine, von den USA unterstützte Land auch gar nicht könnte.

Doch die Arbeitsteilung, die sich die US-Regierung gewünscht hat, werden die arabischen Staaten nicht einhalten. Da die Situation in den palästinensischen Gebieten außer Kontrolle geraten ist, war auch den Amerikanern klar, dass das Thema bei den arabischen Gastgebern auf der Tagesordnung stehen würde. Daher hatte man beschlossen, den Sondergesandten Anthony Zinni gleichzeitig in die Region zu schicken. Mit ihm sollte über Palästina geredet werden, mit Cheney über den Irak. Doch die arabischen Herrscher werden versuchen, dem US-Vizepräsidenten klarzumachen, dass die Terrorismus-Gefahr mit dem Palästina-Konflikt verbunden ist. Die Herrscher werden darauf drängen, erst das Palästina-Problem zu lösen und sich dann um Irak zu kümmern.

Ernsthaften Widerstand hat Cheney trotz alledem wohl nur in Saudi-Arabien zu erwarten.Vor allem in Riad wird er erklären müssen, warum die USA Israel grünes Licht für ihre Militäroffensiven geben, die saudische Friedensinitiative aber nur lauwarm begrüßen - und gleichzeitig Unterstützung für einen Militärschlag gegen den Irak fordern.

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