Nahostkonflikt : Anschlag auf israelischen Friedensaktivisten

Der bekannte israelische Friedensaktivist Seev Sternhell ist bei einem Anschlag mit einer Rohrbombe verletzt worden. Die Täter sind vermutlich israelische Rechtsradikale - Ministerpräsident Olmert reagiert geschockt.

Tel Aviv Der Historiker und Kritiker der israelischen Siedlungspolitik, Seev Sternhell, ist bei einem Bombenanschlag verletzt worden. Der Sprengsatz sei in der Nacht zu Donnerstag vor Sternhells Wohnhaus in Jerusalem detoniert, teilte die Polizei mit. Der 73-Jährige wurde mit einer leichten Beinverletzung ins Krankenhaus gebracht. Sternhell wurde in Polen geboren und floh vor der Judenvernichtung durch die Nationalsozialisten. Mit seiner Kritik an den jüdischen Siedlungen in den Palästinensergebieten und seiner uneingeschränkten Unterstützung eines Friedens mit den Palästinensern hatte er in den vergangenen Jahren das ultra-nationalistische Lager in Israel gegen sich aufgebracht.

Wie die Polizei am Donnerstag weiter mitteilte, gehören die Täter vermutlich dem extrem rechten Milieu an. Am Tatort in Jerusalem seien Handzettel gefunden worden, auf denen für die Tötung eines Mitglieds der Friedensbewegung "Peace Now" eine Belohnung von rund einer Million Schekel (200.000 Euro) versprochen worden sei. Die Bombe explodierte, als Sternhell die Tür seiner Wohnung öffnete.

Im Visier der politischen Rechten

Der 73 Jahre alte Sternhell gehört zu den bekannten Historikern in Israel und wird dem linken Lager zugerechnet. Ihm wurde in diesem Jahr der "Israel Preis", die höchste Auszeichnung in Israel, für Politische Wissenschaften verliehen. Mitglieder der Rechten hatten versucht, die Preisverleihung mit einem Einspruch vor dem Obersten Gericht zu verhindern. Sternhell hatte sich den Unmut der politischen Rechten zugezogen, nachdem er in einem Beitrag für die linksliberale Tageszeitung "Haaretz" Angriffe von Palästinensern auf jüdische Siedler verteidigt hatte.

Sternhell sagte am Abend vom Krankenhausbett aus, der Anschlag verdeutliche die Zerbrechlichkeit der israelischen Demokratie. Er fühle sich wegen der Tat persönlich nicht eingeschüchtert. Der noch amtierende Ministerpräsident Ehud Olmert nannte den Anschlag "schockierend". Auch der israelische Präsident Schimon Peres verurteilte in New York die Tat. Der Generalsekretär von "Peace Now", Yariv Oppenheimer, sagte, die israelische Rechte stelle eine existenzielle Gefahr für die Demokratie in Israel dar. Die zuständigen Behörden müssten endlich ihre Nachsichtigkeit mit Gesetzesbrechern unter den Siedlern und deren Unterstützern aufgeben. (jam/AFP/dpa)

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