Politik : Nahostkonflikt: Die Klärung der Gewaltausbrüche

Ralph Schulze

Wie konnte es zu dem Gewaltausbruch in Nahost kommen? Die Antworten fallen verschieden aus, doch nicht alle überzeugen gleichmäßig. Für den ehemaligen jordanischen Außenminister Kamel Abu Jaber hat der israelische Ministerpräsident Ehud Barak in Camp David in der Jerusalem-Frage den religiösen Faktor in die politischen Gespräche eingeführt, was einem Wendepunkt im Nahostkonflikt gleichkomme. In logischer Fortsetzung dieses gefährlichen Kurses habe dann Oppositionsführer Ariel Scharon den Tempelberg besucht, erklärte Jaber bei der Podiumsdiskussion über die Zukunft des Friedensprozesses, die am Donnerstag im Rahmen des Kongresses der Internationalen Vereinigung für Nahoststudien (IAMES) an der Freien Universität stattfand. Der israelische Geschäftsträger in Berlin, Mordechai Lewy, gibt allein Palästinenserpräsident Jassir Arafat die Schuld. Dieser wolle den "Ruf Israels so sehr wie möglich beschädigen" und davon ablenken, dass er eine Einigung in Camp David abgelehnt habe. Angesprochen auf das brutale Vorgehen der israelischen Armee und die Bilder des zwölfjährigen Jungen, der vor laufender Kamera von israelischen Soldaten erschossen worden war, antwortete Lewy lakonisch: Wenn man solche Bilder nicht mehr sehen wolle, solle man Arafat auffordern, die Gewalt einzustellen. Die Macht dazu habe er. Der palästinensische Generalbevollmächtigte in Deutschland, Abdullah Frangi, konnte darauf nicht antworten, weil er nicht gekommen war. Auf seinem platz saß Volker Perthes von der Stiftung Wissenschaft und Politik, ein Wissenschaftler, der mit seiner mklaren, kühlen Analyse des Situation den israelischen Vertreter viel wirkungsvoller in die Zange nahm, als Frangi dies gekonnt hätte.

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