Nahostkonflikt : Gazastreifen: Tote und Verletzte bei neuen Angriffen

Keine Waffenruhe in Nahost: Trotz wachsender internationaler Bemühungen um eine Eindämmung der Gewalt geht der blutige Schlagabtausch zwischen Israel und militanten Palästinensern weiter.

Gazastreifen
Zerstörung im Gazastreifen: Auch am Mittwoch gab es weitere Angriffe. -Foto: dpa

Tel Aviv/Gaza/KairoIsraels amtierender Ministerpräsident Ehud Olmert lehnte am Mittwoch erneut eine begrenzte Waffenruhe ab. "Wir haben die Gaza-Offensive nicht begonnen, um sie mit der gleichen Anzahl von Raketenangriffen zu beenden. Israel hatte einer Waffenruhe eine faire Chance gegeben", sagte Olmert laut Regierungssprecher Mark Regev. Israel sei bereit, Vorschläge für eine Waffenruhe zu studieren, "wenn diese eine bessere Sicherheit für den Süden garantieren".

Bei der seit Samstag andauernden Offensive sind nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza bisher 392 Palästinenser getötet worden, darunter auch Frauen und Kinder. 1900 weitere Personen seien verletzt worden. Nach Angaben eines Sprechers des UN-Hilfswerkes für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) in Gaza handelt es sich bei mindestens jedem vierten getöteten Palästinenser um einen Zivilisten.

Israel beklagt nach mehr als 250 Raketenangriffen aus dem Gazastreifen seit Samstag vier Todesopfer. Wegen der größeren Reichweite der palästinensischen Raketen sind nach Angaben von Polizeisprecher Micky Rosenfeld inzwischen eine Million Israelis gefährdet.

Weiter Luftangriffe auf den Gazastreifen

Israel setzte am Mittwoch den fünften Tag in Folge seine Militäroffensive mit 35 Luftangriffen auf den Gazastreifen fort, während militante Palästinenser nach Armeeangaben 35 Raketen immer tiefer ins israelische Kernland abfeuerten. Fünf Raketen schlugen in der südisraelischen Stadt Beerschewa ein, eine davon in einem leeren Schulgebäude. Die rund 40 Kilometer vom Gazastreifen entfernte Stadt ist das am weitesten entfernte Ziel, das die Hamas bislang mit ihren Grad-Raketen angegriffen hat. Auch die Stadt Javne südlich von Tel Aviv wurde aus einer Entfernung von mehr als 30 Kilometern mehrmals getroffen.

Die israelische Heimatschutzbehörde hat als Konsequenz des Beschusses angeordnet, dass alle Schulen in einem Radius von 40 Kilometer um den Gazastreifen geschlossen bleiben. Die dort lebenden Bürger wurden aufgefordert, sich nicht im Freien aufzuhalten. In Beerschewa wurde die Ben-Gurion Universität nach Medienangaben geschlossen.

Ziel der 35 israelischen Luftangriffe vom Mittwoch waren nach Armeeangaben Regierungsgebäude in Gaza, darunter das Büro des ehemaligen Ministerpräsidenten Ismail Hanija von der Hamas. Außerdem seien Schmugglertunnel an der Grenze zu Ägypten bombardiert worden, hieß es.

Journalisten dürfen in den Gazastreifen

Olmert hatte bereits am Dienstag einen Vorschlag des französischen Außenministers Bernard Kouchner über eine auf 48 Stunden befristete Feuerpause mit der radikal-islamischen Hamas abgelehnt. Sein Sprecher sagte, man wolle "den Druck auf die Hamas-Militärmaschinerie fortsetzen". Israel wolle eine dauerhafte Lösung und kein "Erste-Hilfe-Pflaster, das in einem Monat wieder abfällt". Es sei wichtig, "die humanitäre Hilfe für die unschuldigen Menschen in Gaza auszuweiten und zu verbessern".

Die Armee bewilligte am Mittwoch erneut rund 100 Lastwagen mit Hilfsgütern die Einreise in das umkämpfte Palästinensergebiet. Zudem wurden Verletzte aus dem Gazastreifen zur Behandlung in israelische Krankenhäuser gebracht. Das Oberste Gericht Israels entschied am Mittwoch, Israel müsse ausländische Journalisten in kleinen Gruppen zur Berichterstattung in den Gazastreifen einreisen lassen.

Hamas will Stärke demonstrieren

Israel will mit der Militäroffensive den Raketenbeschuss durch militante Palästinenser soweit wie möglich minimieren. Die Palästinensergruppen beschießen Israels, um die Aufhebung der Blockade und eine Öffnung aller Grenzübergänge zu erzwingen.

Mit ihren Raketenangriffen auf weiter entfernte israelische Städte will die Hamas demonstrieren, dass sie eine große Zahl von Israelis gefährden kann. Damit will sie ihren "Preis" für eine mögliche Waffenruhe erhöhen. Darüber hinaus sollen die jüngsten Angriffe belegen, dass die seit fünf Tagen anhaltenden israelischen Luftangriffe die Hamas weder geschwächt noch ihren Widerstand gebrochen haben. (jam/dpa)

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