Nahostkonflikt : Netanjahu verspricht den Sturz der Hamas

Gut zwei Wochen nach der Gaza-Offensive stehen die Zeichen in Nahost weiter auf Sturm: Nach einem neuen Raketenangriff militanter Palästinenser auf die Stadt Aschkelon bombardierte die israelische Luftwaffe am Dienstag erneut Ziele im Gazastreifen. Likud-Chef Netanjahu gibt sich optimistisch.

Tel Aviv/GazaEine Delegation der radikalislamischen Hamas lehnte bei Vermittlungsgesprächen in Ägypten eine langfristige Waffenruhe mit Israel ab. Der israelische Oppositionsführer Benjamin Netanjahu versprach unterdessen einen Sturz der Hamas-Herrschaft im Gazastreifen, sollte er in einer Woche bei der Parlamentswahl in Israel siegen. Der 59-jährige Likud-Chef Netanjahu gilt bei der Parlamentswahl am 10. Februar als Favorit.

"Eine Regierung unter meiner Führung wird die Hamas in Gaza entmachten und die Raketenangriffe beenden", sagte Netanjahu nach israelischen Medienberichten am Dienstag bei einem Besuch in Aschkelon. In der Küstenstadt war am Morgen erstmals seit Ende der israelischen Offensive im Gazastreifen vor gut zwei Wochen eine von militanten Palästinensern abgefeuerte Grad-Rakete eingeschlagen. Drei Menschen erlitten einen Schock.

Die israelische Luftwaffe bombardierte daraufhin am Nachmittag Ziele im südlichen Gazastreifen. Nach Angaben von Augenzeugen schlugen zwei Raketen im Grenzgebiet zu Ägypten ein. Damit sollten Tunnel zerstört werden, die unter anderem dem Schmuggel von Waffen in den Gazastreifen dienen. Es gab zunächst keine Angaben zu möglichen Opfern. Zudem zerstörte die Luftwaffe bei einem weiteren Angriff einen Hamas-Stützpunkt. Auch dabei wurde nach Angaben von Augenzeugen niemand verletzt. Die Armee hatte Einwohner der Stadt Rafah im Grenzgebiet zu Ägypten zuvor telefonisch vor Angriffen gewarnt.

Regev: "Hamas spielt mit dem Feuer"

"Hamas und Ägypten sind sich einig, dass eine zeitlich unbefristete Waffenruhe (mit Israel) im Moment unmöglich ist", sagte Hamas-Delegationsmitglied Mohammed Nasr in Kairo. Es habe keine Fortschritte bei den Waffenruhe-Gesprächen gegeben. Die Verhandlungen sollten jedoch am Abend weitergehen, sagte Nasr. Nach Angaben aus Delegationskreisen will Hamas eine auf ein Jahr begrenzte Waffenruhe. Israel will dagegen eine unbefristete Waffenruhe.

Der scheidende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert sagte, Israel werde auch auf die kleinste Provokation reagieren. "Hamas spielt mit dem Feuer, und wenn die Lage jetzt weiter eskaliert, ist daran allein Hamas schuld", sagte Olmerts Sprecher Mark Regev der israelischen Zeitung "Haaretz".

Auch Verteidigungsminister Ehud Barak kündigte eine harte Reaktion an, falls der Raketenbeschuss militanter Palästinenser weitergehen sollte. Er verteidigte den Militäreinsatz in Gaza gegen die wachsende Kritik in der israelischen Bevölkerung. "Der Hamas ist ein schwerer Schlag versetzt worden", sagte er. Nach den Worten des Verteidigungsministers wird Israel mit der Hamas weder sprechen noch mit ihr eine Vereinbarung unterzeichnen.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas (Fatah) erklärte seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der neuen Regierung. "Wir arbeiten mit jedem zusammen, den das israelische Volk wählt, unter der Voraussetzung, dass wir nicht wieder ganz von vorn anfangen müssen", sagte er zum Auftakt einer Europareise in Paris. Die Friedensverhandlungen im vergangenen Jahr hätten zumindest erreicht, dass jeder wisse, was die andere Seite fordere. (mpr/dpa)

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