Nahostreise : Papst besucht Jordanien

Ökumenisches Miteinander und Offenheit gegenüber Andersgläubigen: Papst-Benedikt besucht Jordanien und ruft zur Verständigung zwischen Christen, Juden und Muslimen auf. Einige muslimische Geistliche sind dennoch enttäuscht.

Martin Gehlen

Versöhnung zwischen den Religionen, Dialog zwischen Christen und Muslimen sowie Ermutigung für die bedrängten Christen im Nahen Osten – diese drei Aspekte standen am Wochenende im Mittelpunkt des Besuches von Papst Benedikt XVI. in Jordanien. Am Sonntag feierte das katholische Oberhaupt mit 30.000 Gläubigen im Stadion von Amman einen Open-Air-Gottesdienst, bei dem 40 irakische Flüchtlingskinder aus seiner Hand die erste Kommunion erhielten. In seiner Predigt ermutigte er die Christen Jordaniens, in ihrem Land mit uralter christlicher Tradition Präsenz zu zeigen. Sie sollten Gesinnungen entgegenwirken, „die es als gerechtfertigt betrachten, unschuldigen Menschen das Leben zu nehmen, aus welchem Grund auch immer.“ Gleichzeitig rief er zu einem ökumenischen Miteinander und zur Offenheit gegenüber Andersgläubigen auf. In Jordanien leben 200.000 Christen, das sind rund drei Prozent der Bevölkerung.

Von der internationalen Staatengemeinschaft forderte Benedikt XVI., die christliche Minderheit im benachbarten Irak besser zu schützen. Politische und religiöse Führer müssten alles tun, um den Christen das „grundlegende Recht auf friedliche Koexistenz mit ihren Mitbürgern“ zu garantieren. Den Gläubigen der Region versicherte er die Solidarität ihrer Glaubensbrüder und -schwestern in der ganzen Welt.

Moschee-Besuch am Samstag

Am Samstag hatte der Papst in Amman die Hussein Bin Talal Moschee besucht, die 2006 zu Ehren des verstorbenen Königs Hussein gebaut worden war. Nach der Blauen Moschee in Istanbul war dies der zweite Besuch des deutschen Papstes in einem muslimischen Gotteshaus – ein Akt von symbolischer Bedeutung. In seiner anschließenden Rede vor muslimischen Würdenträgern warb er dafür, Muslime und Christen müssten als „Verehrer Gottes“ zusammenarbeiten. Leider könne man „die Spannungen und Gegensätze zwischen Anhängern verschiedener Religionen nicht in Abrede stellen“, betonte das Oberhaupt von einer Milliarde Katholiken. Allerdings sei oft „die ideologische Manipulation von Religion, manchmal auch zu politischen Zwecken, der wahre Auslöser von Spannungen und Streit – zuweilen sogar von Gewalt“. Muslime und Christen müssten gerade aufgrund der Last der gemeinsamen Geschichte, die so oft von Missverständnissen geprägt gewesen sei, danach trachten, Zeugnis für das zu geben, was gerecht und wahr sei.

Eine förmliche Entschuldigung für seine Regensburger Rede vermied Benedikt XVI. Der oberste königliche Religionsberater Prinz Ghazni bin Mohammed erinnerte an den „Schmerz“, den die päpstlichen Worte damals ausgelöst haben. Er lobte aber ausdrücklich, dass der Papst 2006 die durch ihn ausgelösten „unglücklichen Missverständnisse“ bedauert habe. Andere hohe muslimische Geistliche dagegen reagierten enttäuscht. Sie hatten ein klares Bedauern des katholischen Kirchenoberhauptes erwartet, das damals den spätmittelalterlich-byzantinischen Herrscher Manuel II. mit den Worten zitierte: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.“

"Band zwischen Kirche und dem jüdischen Volk“

Am Samstagmorgen hatte der Papst den Berg Nebo besucht, von dem aus nach dem Zeugnis des Alten Testamentes Moses das gelobte Land gesehen hat. Hier warb der 82-Jährige dafür „die Hindernisse in der Aussöhnung zwischen Juden und Christen in gegenseitigem Respekt zu überwinden“. Beide Religionen sollten im Dienste des Friedens zusammenarbeiten, sagte der Papst. Die alte Tradition des Pilgerns zu heiligen Orten „erinnert uns an das unzerstörbare Band zwischen der Kirche und dem jüdischen Volk“. Die Beziehungen zwischen Juden und katholischer Kirche hatten sich in letzter Zeit eingetrübt, vor allem weil der Papst im Januar die Exkommunikation von vier Bischöfen der erzkonservativen Piusbruderschaft aufhob, von denen einer, Richard Williamson, den Holocaust leugnet. Am Montag reist der Papst weiter nach Israel, der zweiten Station seiner Nahostreise. In Jerusalem wird er am Nachmittag die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vaschem besuchen.

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