Nahrungsknappheit : Viele Nordkoreaner vom Hungertod bedroht

Eine koreanische Hilfsorganisation befürchtet für Nordkorea eine Hungerkatastrophe. Denn wegen der Überschwemmungen des vergangenen Jahres sind Nahrungsmittel noch knapper als sonst. Selbst in der privilegierten Hauptstadt könnten Menschen vor Hunger umkommen.

SeoulWegen einer Versorgungskrise in Nordkorea sind viele Menschen im Land bedroht. In der Haupstadt Pjöngyang und anderen Städten bestehe bereits in diesem Monat die Gefahr, dass Menschen wegen der Lebensmittelknappheit verhungerten, erklärte die südkoreanische Hilfsorganisation Good Friends am Donnerstag. Die Not im Nachbarland habe solche Ausmaße angenommen, dass auch die sonst privilegierten Hauptstadtbewohner unter der Kürzung ihrer Lebensmittelrationen zu leiden hätten. Noch schlimmer ist die Lage demnach im Rest des Landes. Die Reis-Preise seien stark angestiegen, weil es den Bauern an Reispflanzen und Dünger für die nächste Saison fehle, teilte die Organisation mit.

Das UN-Ernährungsprogramm (WFP) zeigte sich ebenfalls besorgt. Der WFP-Sprecher für die Region, Paul Risley, sagte, er sei "sehr beunruhigt" über die Engpässe bei der Nahrungsmittelversorgung nach den Überschwemmungen des vergangenen Jahres. Damals waren wegen der Überflutungen rund 600 Tote oder Vermisste gezählt worden. Rund 200.000 Hektar Anbauflächen wurden vor der Ernte überflutet. Mitte der 90er Jahre hatten Überschwemmungen in Nordkorea zu einer Hungersnot beigetragen, bei der nach Angaben von Hilfsorganisationen rund zwei Millionen Menschen starben.

Nordkorea leidet ohnehin an chronischer Lebensmittelknappheit und ist in hohem Maße von Hilfe aus dem Ausland abhängig. Südkorea hat in diesem Jahr seine Hilfe noch nicht geschickt. Angesichts wachsender Spannungen zwischen Seoul und Pjöngjang stellte die nordkoreanische Führung noch keine entsprechende offizielle Anfrage. (mhz/AFP)

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