Namensstreit : Wie soll Mazedonien heißen?

Athen und Skopje sind auch vor dem Nato-Gipfel weiter uneins. Der Streit gefährdet den geplanten Beitritt des Landes zum Bündnis.

Gerd Höhler

Glyfada - Es ist ein Thema, das die Griechen erregt wie kaum ein zweites – und das seit 17 Jahren: der Streit um die Frage, ob Mazedonien Mazedonien heißen darf. Ein Zank, den der Rest der Welt, wenn überhaupt, bisher eher verständnislos verfolgte. Aber nun hat der Streit globales Niveau erreicht. Er überschattet den Nato-Gipfel, auf dem kommende Woche über die Erweiterung der Allianz um drei neue Mitglieder entschieden werden soll: Albanien, Kroatien – und Mazedonien, das nicht so heißen soll. Denn Griechenland legt sich quer.

Die Athener Regierung will dem nördlichen Nachbarn die Aufnahme in die Nato verwehren – es sei denn, das Land ändert seinen Staatsnamen „Republika Makedonija“ gemäß den Wünschen der Griechen ab. „Sonst kann es keine Einladung in die Allianz geben“, sagt Premier Kostas Karamanlis – und hat laut Umfragen damit 84 Prozent seiner Landesleute hinter sich. Schon Anfang der 90er Jahre, als die ehemalige jugoslawische Teilrepublik ihre Unabhängigkeit erklärte, sorgte der Namensstreit in Griechenland für Aufregung. Die meisten Griechen sehen in dem Staatsnamen Mazedonien Gebietsansprüche auf die gleichnamige nordgriechische Provinz. Tatsächlich verbreiteten Nationalisten in Skopje Landkarten, auf denen Griechenland bis hinunter nach Thessalien einem künftigen „Groß-Mazedonien“ einverleibt war – einschließlich des Olymp, auf dem die alten Griechen ihre Götter wähnten.

Wie brisant das Thema ist, weiß gerade die Athener Außenministerin Dora Bakogiannis: 1993 stürzte die Regierung ihres Vaters Kostas Mitsotakis auch deshalb, weil sich der liberale Premier für einen Kompromiss im Namensstreit mit Skopje einsetzte. Sein sozialistischer Nachfolger Andreas Papandreou versuchte, Mazedonien mit einer Wirtschaftsblockade in die Knie zu zwingen. Ergebnis: Das Nachbarland erklärte sich bereit, bis auf weiteres in internationalen Organisationen als „Former Yugoslav Republic of Macedonia“ (Fyrom) zu firmieren. Dessen ungeachtet haben inzwischen aber mehr als 120 Staaten das Land als Republik Mazedonien anerkannt. Dennoch glauben die Griechen, sie könnten den Nachbarn jetzt mit dem Nato-Hebel einen anderen Namen aufzwingen. Er dürfe zwar das Wort Mazedonien enthalten, gesteht Athen zu, aber nur in einer Verbindung, die klar stelle, dass es sich um eine geografische Bezeichnung handelt.

Nachdem UN-Vermittler sich seit Jahren vergeblich abmühten, den Namensstreit zu schlichten, ist jetzt der UN-Sonderbeauftragte Matthew Nimetz in der undankbaren Rolle des Maklers zwischen den beiden Kontrahenten. Viele Namen schlug er bereits vor, darunter „Ober-Mazedonien“ und „Neu-Mazedonien“, die jedoch mal von der einen, mal von der anderen oder von beiden Seiten abgelehnt wurden. Am Dienstag unterbreitete Nimetz seinen vorerst letzten Vorschlag, einen „ehrlichen Kompromiss“, wie er selbst findet: „Republik Mazedonien-Skopje“. Doch die Griechen verwarfen die Idee sofort. Jetzt will Außenministerin Bakogiannis versuchen, am Rande des EU-Außenministertreffens an diesem Freitag im direkten Gespräch mit ihrem „skopjanischen“ Amtskollegen Antonio Milososki doch noch einen Kompromiss zu finden. Gerd Höhler

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