Natalja Weselnizkaja : Die russische Anwältin, die Trumps Sohn traf

Mitten im Wahlkampf traf sich Trump Jr. in der Hoffnung auf belastendes Material über Hillary Clinton mit der russischen Anwältin Natalja Weselnizkaja. Wer ist diese Frau?

Die russische Anwältin Natalja Weselnizkaja.
Die russische Anwältin Natalja Weselnizkaja.Foto: AFP

Das Treffen im Trump Tower am 9. Juni 2016 bringt Donald Trump Junior, den Sohn des US-Präsidenten, in Erklärungsnot. Er hatte sich zu einem Gespräch mit einer Frau bereit erklärt, die ihm von einem Mittelsmann als „russische Regierungsanwältin“ angekündigt worden war. In dem Gespräch sollte es um belastende Dokumente über die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton gehen. Die Informationen seien „Teil der Unterstützung von Herrn Trump durch Russland und seine Regierung“, schrieb der Mittelsmann. Trump Jr. nahm zum Gespräch mit der Anwältin Natalja Weselnizkaja auch den Wahlkampfmanager Paul Manafort sowie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner mit.

Zunächst sagte Donald Trump Jr. der „New York Times“, man habe lediglich über die Wiederaufnahme von Adoptionen russischer Kinder in den USA gesprochen. Erst nach dem Bekanntwerden seiner E-Mails gab er zu, dass es auch um mögliche kompromittierende Informationen über Hillary Clinton gegangen sei. Zugleich betonte er, dabei sei nichts herausgekommen. Die Anwältin habe nur über das so genannte Magnitski-Gesetz sprechen wollen, das Sanktionen gegen Russen vorsieht, denen Menschenrechtsverletzungen zur Last gelegt werden. Weselnizkaja stellte das Treffen auf Nachfrage der „New York Times“ als Teil ihrer Bemühungen dar, eine Aufhebung des Gesetzes zu erreichen. Zugleich sagte sie, sie habe nie im Auftrag der russischen Regierung gehandelt.

Vorwürfe wegen Geldwäsche in New York

Doch wer ist die Frau, die sich mit Trumps Sohn traf? Natalja Weselnizkaja arbeitete zunächst für die Moskauer Staatsanwaltschaft und machte sich 2003 mit einer Kanzlei selbständig, spezialisiert auf Firmen- und Immobilienrecht. Nach eigenen Angaben gewann sie mehr als 300 Fälle. Für ihre Karriere entscheidend war aber offenbar ihre Tätigkeit für die Familie des früheren Verkehrsministers der Region Moskau, Pjotr Kazyw. Als dessen Sohn Denis mit seinen Unternehmen in den USA in juristische Schwierigkeiten geriet, verpflichtete dieser Weselnizkaja als Anwältin. Die Vorwürfe waren gravierend: Ein US-Staatsanwalt ging davon aus, dass über Firmen in Denis Kazyws Besitz Geld aus dem größten Steuerbetrug der russischen Geschichte in New Yorker Immobilien investiert wurde. Unter dem Verdacht der Geldwäsche ließ Staatsanwalt Preet Bharara 2013 das Vermögen der Firmen in den USA einfrieren. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgte.

Anwalt Magnitski deckte Steuerbetrug auf

Der Staatsanwalt in New York bezog sich auf einen Fall in Russland, bei dem der russische Staat 2007 um umgerechnet 230 Millionen Dollar betrogen worden war. Der Steueranwalt Sergej Magnitski beschuldigte Beamte des Innenministeriums, an dem Verbrechen beteiligt gewesen zu sein. Er zeigte sie an und kam daraufhin hinter Gitter, unter dem Vorwurf, selbst für die Tat verantwortlich gewesen zu sein. Magnitski starb 2009 in einem Moskauer Gefängnis.

Sein früherer Arbeitgeber Bill Browder machte es sich nach Magnitskis Tod zur Aufgabe, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, und erreichte in den USA 2012 die Einführung des Magnitski-Gesetzes. Zugleich recherchierten Journalisten, wohin das Geld aus dem Betrug verschwunden war. So wurde bekannt, dass der Ex-Mann der Beamtin der Moskauer Steuerbehörde, die die Überweisung der 230 Millionen Dollar genehmigt hatte, plötzlich über Luxusimmobilien in Dubai verfügte. Ein anderer, kleiner Teil des Geldes soll demnach an Kazyws Firmen geflossen sein, wie Staatsanwalt Bharara in seinem Antrag darlegte. Kazyw bestritt dies.

Trump feuerte den Staatsanwalt

Ein Urteil in dem Fall gibt es bis heute nicht. Im März wurde Staatsanwalt Bharara von US-Präsident Trump entlassen. Nur zwei Monate später kam es kurz vor Prozessbeginn zu einer außergerichtlichen Einigung: Kazyws Firmenholding Prevezon zahlte 5,9 Millionen US-Dollar – ein Schuldeingeständnis ist damit nicht verbunden. Anwältin Weselnizkaja konnte einen weiteren Sieg feiern. Sie sprach von einem „vollständigen Freispruch im Gegenzug für 5,9 Millionen Dollar“ und betonte: „Die US-Regierung hat erstmals einen Vergleich mit einem Bürger Russlands zu seinen Bedingungen geschlossen.“

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