Politik : Nationaler Ethikrat: Polen: Der Vatikan bestimmt

Klaus Bachmann

Zum Thema Online Spezial: Die Debatte um die Gentechnik Von "Barbarentum" und sogar von den Experimenten des Auschwitz-Arztes Josef Mengele ist die Rede: Eine Mischung aus Fortschrittsskepsis, katholischer Ethik und Misstrauen gegenüber einem als hedonistisch geltenden und Werten abgewandten Westeuropa durchzieht die gesamte polnische Gen-Debatte, seit das Klon-Schaf Dolly auf die Welt gekommen ist. Die Marschrichtung der Debatte hat niemand geringerer als Papst Johannes Paul II vorgegeben, der bekanntlich gegen therapeutisches Klonen und die Präimplantationsdiagnostik Stellung bezieht. Polens rigides Abtreibungsgesetz lässt jede Debatte hierzu akademisch erscheinen: Alle Handlungen, denen das werdende Kind ausgesetzt wird, dürfen nur darauf ausgerichtet sein, dem Erhalt seines Lebens und seiner Gesundheit sowie Gesundheit und Leben der werdenden Mutter zu dienen. Da das Verfassungstribunal schon vor Jahren erklärt hat, alles Leben, das die Verfassung schütze, beginne mit der Befruchtung, würde eine Zulassung des therapeutischen Klonens eine Verfassungsänderung notwendig machen - und dafür braucht man eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Einen Ethikrat benötigt Premierminister Jerzy Buzek daher nicht - denn der hätte nichts zu entscheiden, was der Vatikan und das Verfassungsgericht nicht schon lange entschieden haben.

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