• Nationentag Eritreas auf der Expo: Am Tag nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages rechnet Äthiopien nicht mit einem Boykott

Politik : Nationentag Eritreas auf der Expo: Am Tag nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages rechnet Äthiopien nicht mit einem Boykott

Klaus Wallbaum

Delegationen von Eritrea und Äthiopien haben am Sonntag einen Friedensvertrag unterschrieben - auf neutralem Gelände, in Algier. Im niedersächsischen Hannover jedoch, auf der Weltausstellung, gibt es die friedliche Koexistenz der beiden Länder schon seit fast drei Wochen. Heute feiert Eritrea seinen Nationentag.

Es ist schon eine pikante Situation. Auf dem Ost-Gelände der Expo, zwischen dem gelben Turm der Post AG und einer jordanischen Ausgrabungsstätte steht der Pavillon Äthiopiens - mehrere Bauten aus Lehm und Felsen mit strohgedeckten Dächern. Zehn Minuten Fußweg davon entfernt, in der Halle der afrikanischen Länder, hat Eritrea seinen Stand aufgebaut - helle Wände mit reichlich Ausstellungsstücken. Beide Länder befinden sich im Krieg, bei dem mehr als 100000 Menschen ums Leben gekommen sind. Was spürt man davon auf der Expo? Wenig. Im Gästebuch auf dem Stand von Eritrea gibt es vereinzelte Hinweise. "Peace for all Children" hat ein Besucher eingetragen. Sonst nichts, auch keine Mitleidsbekundungen. Eritrea, der 3,3 Millionen Einwohner zählende Staat mit Meereszugang, präsentiert sich als Land an der Schwelle zur modernen Zeit und zeigt eine Anlage zur Meerwasserentsalzung. Und eine freundliche Afrikanerin erklärt einer Besuchergruppe, was es mit den Sonnenkollektoren auf sich hat, die zum Betrieb von Wasserpumpen eingesetzt werden.

Äthiopien hingegen stellt die Vergangenheit in den Mittelpunkt: Das Skelett des ältesten Menschen der Welt wird ausgestellt, die Gebeine der 3 Millionen Jahre alten "Lucy" sind eine Leihgabe aus dem Nationalmuseum in Addis Abeba. In den dunklen Gängen des äthiopischen Pavillons erklingen alte religiöse Gesänge, neben einem 2000 Jahre alten Buch mit Lederseiten sind alte Getreidesorten zu sehen. Nebenan am Stand verkauft Äthiopien Kaffee aus der Heimat.

Drei Millionen Mark hat der Pavillon Äthiopiens gekostet, knapp die Hälfte wurde aus dem deutschen Topf für Entwicklungshilfe zugesteuert. "Man fragt uns schon, wieso wir als armes, von Hungersnot geplagtes Land solch eine Investition gewagt haben", sagt Mulugila Zewdie, Pressesprecher des Pavillons. Und der Krieg? Zewdie, der im Alltag bei der Botschaft seines Landes in Wien arbeitet, spricht von "täglich ein bis zwei Fragen" nach der Kämpfen mit Eritrea. Manchmal würden Besucher auch provozieren, nach dem Motto, wieso das größere Äthiopien das kleine Eritrea nicht in Ruhe lassen könne.

Darauf hat Zewdie dann rasch eine Antwort: Eritrea trete aggressiv auf, meint er, habe die Selbstständigkeit nur als Vorwand genutzt, um Hegemonie in der Region anzustreben. Dennoch könne Äthiopien mit dem Waffenstillstand leben. "Wir brauchen keinen direkten Zugang zum Meer, wir nutzen die Häfen unserer Nachbarländer Djibuti, Sudan und Somalia." Dass Äthiopien gegenwärtig die stärkere der Kriegsparteien ist, verschweigt der Pressesprecher nicht.

In Hannover sind beide Länder um einen friedlichen Umgang bemüht. Zewdie war mit sieben seiner Mitstreiter schon einmal beim Stand von Eritrea, man ist schnell durchgegangen und fühlte sich "nicht sonderlich gut angesprochen". Auch eine Delegation aus Eritrea war bereits bei den Äthiopiern und hat sich im Gästebuch verewigt. Man liebt sich nicht, geht aber respektvoll miteinander um. Wie gut die Nachbarschaft klappt, wird sich am Dienstag beim Nationentag Eritreas zeigen. ,,Ich denke, auch an jenem Tag wird unser Pavillon nicht boykottiert', meint Zewdie. Die Äthiopier feiern ihren Nationentag erst am 11. September.

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