• Nato ändert Einsatzkonzept in Afghanistan Nach Kritik aus Kabul wegen getöteter Zivilisten

Politik : Nato ändert Einsatzkonzept in Afghanistan Nach Kritik aus Kabul wegen getöteter Zivilisten

Kabul - Nach dem Tod von immer mehr Zivilisten bei den Einsätzen ausländischer Truppen hatte Afghanistans Präsident Hamid Karsai ungewöhnlich scharfe Kritik an der Nato-geführten Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) geäußert. Die Isaf kündigte daraufhin an, ihre Kampfeinsätze zu ändern, damit Zivilisten geschont würden.

Karsai hatte am Samstag beklagt, dass die Einsätze „wahllos und ungenau“ seien. In zehn Tagen seien 90 Zivilisten getötet worden. Die afghanische Regierung werde es nicht länger hinnehmen, dass bei den Einsätzen der Isaf und der US-geführten Koalition unbeteiligte Afghanen ums Leben kämen, sagte Karsai. „Ab sofort müssen sie so arbeiten, wie wir es ihnen sagen“, erklärte ein sichtlich verärgerter Karsai. Er habe die Isaf und die US-Koalition wiederholt aufgefordert, ihre Einsätze mit den afghanischen Sicherheitskräften abzustimmen, damit keine Zivilisten zu Schaden kämen. „Wir werden die Art unserer Einsätze verbessern“, kündigte jetzt ein Isaf-Sprecher in Kabul am Sonntag an. Kein Isaf-Soldat wolle Zivilisten töten. Bei den Taliban sei das anders: „Sie töten Zivilisten mit Absicht.“ Karsai habe mit seiner Kritik an der Isaf-Armeeführung recht, sagte der Sprecher. „Karsai hat richtig gelegen. Er hat das Recht, ärgerlich zu sein.“ Mit Blick auf die 90 getöteten Zivilisten, von denen Karsai gesprochen hatte, sagte ein Isaf-Sprecher, die Zahl ähnele der der Isaf. Jedoch sei es unklar, ob die Zivilisten von Nato-Truppen oder Taliban getötet wurden. Nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen wurden in diesem Jahr bereits 250 Zivilisten in Afghanistan getötet.

Ranghohe Isaf-Kommandeure drückten derweil ihr Bedauern über einen Zwischenfall aus, bei dem am Freitag etliche Zivilisten ums Leben gekommen waren. Nato-Offiziere hätten sich in der südafghanischen Provinz Helmand mit Dorfältesten getroffen, um über den Zwischenfall zu reden, teilte das britische Kontingent der Isaf mit. Die Kommandeure hätten „tiefes Bedauern über diesen tragischen Unfall ausgedrückt“. Die Polizei in der Unruheprovinz hatte am Freitag mitgeteilt, dass die Nato bei einem Einsatz gegen Aufständische versehentlich zwei oder drei Wohnhäuser getroffen habe. Dabei seien 25 Zivilisten gestorben, unter ihnen neun Frauen und drei Kleinkinder.

Der italienische Verteidigungsminister Arturo Parisi kündigte in Rom an, er werde mit Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer über Konsequenzen der getöteten Zivilisten reden, die „unentschuldbar“ seien. Italien hat 2000 Soldaten in Afghanistan stationiert. De Hoop Scheffer hatte bereits zuvor Ermittlungen angekündigt.

Die Isaf erklärte, sie habe am Wochenende rund 150 mutmaßliche Taliban getötet. Im Nachhinein habe sich herausgestellt, dass neun unbeteiligte Menschen unter den Toten gewesen seien. Ein Geschoss habe ein Haus getroffen, in dem sich vielleicht mehrere Zivilisten aufgehalten hätten. AFP

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