Politik : NATO-Angriffe lähmen die Versorgung Serbiens mit Strom und Wasser

BRÜSSEL/BONN (Tsp).Nach der landesweiten Lahmlegung der Strom- und Wasserversorgung in Serbien hat die NATO dem Belgrader Regime mit weiteren Angriffen auf zentrale Energie-Anlagen gedroht.NATO-Sprecher Shea sagte am Montag in Brüssel, die NATO habe ihre Fähigkeit bewiesen, das serbische Versorgungssystem "abschalten zu können, wann immer sie wolle".Unterdessen flog Rußlands Jugoslawien-Beauftrager Tschernomyrdin zu einem Gespräch mit US-Präsident Clinton ab.In Bonn begann auf Beamtenebene eine G-8-Konferenz zur Kosovo-Krise.

Diplomaten zufolge warfen NATO-Bomber in der Nacht zu Montag erstmals Sprengkörper ab, die durch die großflächige Verbreitung von Graphitwolken Kurzschlüsse in Elektrizitätswerken und elektronischen Einrichtungen verursachten.Die Angriffe hatten am Sonntag abend begonnen und Belgrad bis zum Morgen in nahezu völlige Dunkelheit gestürzt.Erst am Morgen gelang es der serbischen Elektrizitätsgesellschaft EPS, Krankenhäuser, Brotfabriken, Wasserwerke und andere Einrichtungen wieder mit Elektrizität zu versorgen.

Der Sprecher des NATO-Oberbefehlshabers Europa, Oberst Konrad Freytag, erklärte nach den NATO-Angriffen im Gespräch mit dem Tagesspiegel: "Die Durchschnittsserben haben zu 80 Prozent auch heute noch, was sie zum Leben brauchen - Heizung, Strom und Wasser eingeschlossen." Eine militärisch relevante Transformatoren-Station habe die NATO aus Rücksicht auf die Zivilbevölkerung nicht zerstört, sondern nur mit Graphitbomben "gelähmt", um die Luftabwehr durch Stromentzug für die Zeit der Angriffe lahmzulegen.

Zu Berichten serbischer Medien, nach denen die NATO bei ihren Luftangriffen erneut einen Bus getroffen hat, sagte Militär-Sprecher Walter Jertz, entsprechende Meldungen seien bei der NATO bekannt.Es sei aber noch unklar, ob sie der Wahrheit entsprächen.Ein serbisches Medienzentrum in Pristina hatte mitgeteilt, bei einem NATO-Angriff auf einen Bus seien mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen.

Hohe Beamte der sieben wichtigsten Industrienationen und Rußlands (G 8) bereiteten in Bonn eine mögliche Ministerrunde zur Lösung des Kosovo-Konflikts vor.Die Einberufung einer Außenministerkonferenz, die von Rußland seit längerem gefordert wird, hänge zum großen Teil von den Arbeitsergebnissen des Treffens ab, verlautete aus mehreren Delegationen.

Der russische Außenminister Igor Iwanow hält es unterdessen für verfrüht, von einer "positiven Entwicklung" im Kosovo-Konflikt zu sprechen.Der russische Sondergesandte Viktor Tschernomyrdin befand sich am Montag auf dem Weg nach Washington.Er wolle eine "persönliche Botschaft" Jelzins und konkrete Vorschläge zur Beendigung des Krieges überbringen, sagte Tschernomyrdin vor seinem Abflug in Moskau, ohne Details zu nennen.

Das Bundeskabinett will am heutigen Dienstag eine Aufstockung des deutschen Kontingents für die humanitären Hilfsleistungen in Albanien und Mazedonien beschließen.Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) sagte am Montag in Bonn, nach einer entsprechenden Kabinettsentscheidung solle der Bundestag noch in dieser Woche über die Aufstockung entscheiden.Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) will nach Angaben von Regierungssprecher Heye in dieser Woche in Bonn zu einem ausführlichen Gespräch mit US-Präsident Bill Clinton zusammentreffen.

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