Politik : NATO bedauert zivile Opfer bei Angriff auf Aleksinac

ALEKSINAC/BRÜSSEL (AP/AFP/rtr).Die NATO hat den Tod von Menschen bei einem Angriff auf die südserbische Stadt Aleksinac am Dienstag bedauert.Bei dem Angriff wurde ein Wohnviertel völlig zerstört, die jugoslawischen Behörden sprachen von mindestens seiben Toten und 30 zum Teil schwer Verletzten.Der britische Luftwaffenkommodore David Wilby sagte in Brüssel, es sei möglich, daß eine der Raketen ihr Ziel verfehlt habe.Die nicht beabsichtigte Zerstörung und die Opfer seien sehr bedauerlich.Ziel des Angriffs sei eine Kaserne mit einer Artilleriebrigade gewesen.Nach NATO-Angaben wurden insgesamt "mehr als 30 Ziele" bombardiert, darunter vor allem Schaltstellen des Militärfunks.Der französische General Xavier Delcourt sagte in Paris, die Einsätze am Dienstag und Mittwoch würden noch härter sein als bisher.

An den Angriffen waren nach Angaben des Bonner Verteidigungsministeriums auch vier Tornados der Bundesluftwaffe beteiligt.Alle vier Maschinen kehrten unversehrt zu dem italienischen Luftwaffenstützpunkt Piacenza zurück.Ein NATO-Sprecher in Brüssel dementierte erneut serbische Berichte, wonach Alliierten-Maschinen abgeschossen worden seien.Alle Flugzeuge seien unversehrt zurückgekehrt.Bei den jüngsten Angriffen wurde nach Angaben der Belgrader Agentur Beta eine Ölraffinerie in Novi Sad getroffen.Das Fernsehen zeigte einen riesigen Feuerball, der den Nachthimmel erleuchtete.Das Feuer habe eine Giftwolke über die zweitgrößte Stadt des Landes gebracht, meldete die amtliche Agentur Tanjug.In der Stadt Nis schlugen sechs oder sieben Geschosse ein.In der südserbischen Stadt befindet sich das Hauptquartier der 3.Armeedivision, von der Einheiten auch im Kosovo stationiert sind.Das bessere Wetter hat den NATO-Kampfflugzeugen offenbar ermöglicht, verstärkt Ziele am Boden anzugreifen.Am Dienstag wurden Explosionen aus mehreren Städten Serbiens gemeldet.

Bei den neuen NATO-Angriffen wurde offenbar auch die einzige Eisenbahnbrücke über die Donau in Novi Sad beschädigt worden.Sie sei für jeden Verkehr gesperrt, zitierte die Belgrader Agentur Beta am Dienstag den Regierungschef der Provinz Vojvodina, Bosko Perosevic.Ein möglicher Einsturz der Brücke würde zu Überschwemmungen in Novi Sad führen, sagte Perosevic.Über diese Brücke verlief die internationale Eisenbahnverbindung von Wien und Budapest nach Belgrad, Skopje, Athen, Sofia und Istanbul.In den vergangenen Tagen waren durch NATO-Angriffe zwei weitere Donau-Brücken in Novi Sad, eine Autobahnbrücke und eine Brücke mit der Hauptwasserleitung, vollkommen zerstört worden.In Aleksinac wurde nach serbischen Angaben auch das Krankenhaus getroffen.In dem Wohngebiet seien drei zweistöckige Gebäude völlig zerstört worden.Unabhängige Journalisten sahen zwei Leichen, Körperteile und Blutlachen in den Trümmern.Unter den eingestürzten Häusern wurden noch weitere Leichen vermutet."Das ist ein Kriegsverbrechen, und es geschieht am Jahrestag der deutschen Bombardierung", sagte ein Bewohner der Stadt.Am 6.April 1941 griff NS-Deutschland Jugoslawien an.Das serbische Fernsehen zeigte am Dienstag Bilder des halb zerstörten Stadtzentrums von Aleksinac, das 200 Kilometer südlich von Belgrad liegt.Brennende Häuser waren ebenso zu sehen wie Verletzte in Krankenhäusern.

Die Luftangriffe, die auch am Dienstag tagsüber fortgesetzt wurden, zeigen nach Einschätzung des US-Verteidigungsministeriums langsam Wirkung.Die serbischen Streitkräfte hätten erste Versorgungsprobleme, sagte Pentagon-Sprecher Kenneth Bacon.Bei den Angriffen auf Schaltstellen des Militärfunks wurden in der Nacht zum Dienstag nach NATO-Angaben möglicherweise auch damit verbundene Anlagen von zivilen Sendern beschädigt.Jugoslawische Medien hatten zuvor berichtet, daß in Belgrad und anderen Teilen des Landes das serbische Fernsehen nicht mehr zu empfangen sei.

Die jugoslawische Armee hat nach Angaben von Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping zunehmende Personalprobleme.Belgrad habe große Schwierigkeiten, weitere Soldaten zu rekrutieren, sagte Scharping am Dienstag in Bonn.Zudem habe er Kenntnis von insgesamt 90 wegen Fahnenflucht Angeklagten.Flüchtlinge berichteten mittlerweile in Einzelfällen auch über korrektes Verhalten jugoslawischer Armee-Einheiten.Nach ihren Schilderungen gebe es jugoslawische Militärangehörige, die ihnen zu helfen versuchten und sich ausdrücklich für unmenschliches Vorgehen ihrer Führung entschuldigten.

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