Politik : Nato-Experten warnen vor iranischen Waffen an die Taliban

Schutztruppe: Hochmoderne Raketen bedrohen auch die Bundeswehr / Islamisten formieren sich offenbar neu

Berlin - Die von der Nato geführte internationale Isaf-Schutztruppe in Afghanistan ist über die zunehmenden iranischen Waffenlieferungen an die Taliban „sehr besorgt“. Wenn das so weitergehe, „werden wir am Hindukusch eine neue Eskalation erleben“, sagten Geheimdienstler am Wochenende in Washington und Berlin. Britischen Spezialeinheiten war es vor kurzem gelungen, an der afghanisch-iranischen Grenze eine geheime Lieferung hochmoderner Raketen aus dem Iran an die Taliban abzufangen.

Nach Angaben von Isaf-Offizieren in Kabul waren die 48 Raketen offensichtlich für die angelaufene Frühjahrsoffensive der Taliban bestimmt. Sie wird sich nach CIA-Informationen wahrscheinlich auf das Einsatzgebiet der Bundeswehr im Norden Afghanistans „konzentrieren“. Die Raketen hätten den Aufständischen die Möglichkeit gegeben, die Isaf-Soldaten aus noch größerer Entfernung mit hoher Feuerkraft anzugreifen. Der britische Außenminister William Hague hat Teheran unterdessen ein „vollkommen inakzeptables Vorgehen“ vorgeworfen. Die Analyse der Waffen habe „ohne Zweifel“ ergeben, dass sie aus dem Iran stammten.

Schon der frühere Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal hatte auf die illegalen Waffenlieferungen des Iran an die Taliban aufmerksam gemacht. Mittlerweile haben US-Aufklärungsmaschinen ihre Patrouillenflüge an der rund 1000 Kilometer langen afghanisch-iranischen Grenze intensiviert, war aus CIA-Kreisen in Washington zu erfahren. Die illegalen iranischen Waffenlieferungen an die Taliban seien aber wegen der ausgedehnten Grenze von Afghanistan zum Iran auch mit Spezialtruppen der Isaf am Boden kaum abzufangen, hieß es.

Die Kämpfer der Taliban und ihre Anführer, die sich in der Winterpause in ihre Hochburgen an der afghanisch-pakistanischen Grenze zurückgezogen hatten, sind nach Erkenntnissen der Geheimdienste, auch des afghanischen Nachrichtendienstes NDS, dabei, sich auf afghanischem Gebiet in aller Stille wieder zu formieren. Vom Einsatzführungsstab wird intern die Bedrohung durch die Taliban in Afghanistan als „insgesamt erheblich“ eingestuft. Geheimdienstler in Kabul meinen, die Gefahr, dass die Taliban, die nach Schätzungen die Hälfte Afghanistans kontrollieren, noch den Rest des Landes erobern könnten, sei nicht kleiner geworden. Die Amerikaner wollen jetzt versuchen, die „nicht gute Lage“ in Afghanistan mit verstärkten Drohnenangriffen auf Taliban-Rückzugsgebiete in Pakistan „abzufangen“, erklärte ein CIA-Angehöriger in Washington. Bei einem solchen Angriff wurden am Donnerstag im Nordwesten Pakistans 38 Menschen getötet.

Die Attacke mit einer der höchsten Opferzahlen hatte einem Haus gegolten, in dem sich offenbar mutmaßliche Islamisten versammelt hatten. Jeder Einsatz einer solchen Hightech-Rakete kostet rund eine Million Dollar, wie zu erfahren war. Schon in Kürze wollen die USA eine neue „Super-Drohne“ im pakistanischen Grenzgebiet einsetzen, die „vielleicht eine Wende im Afghanistankrieg bewirken könnte“. Die Drohne könnte mit dann neun Videokameras ein wesentlich größeres Gebiet als bisher beobachten.

Gespannt blicken Geheimdienstler und Isaf-Offiziere auf die für Montag vom afghanischen Präsidenten Hamid Karsai angekündigte Erklärung zu ersten Schritten für die Übernahme der Sicherheitsverantwortung in afghanischer Regie. Karsai will seine Vorstellungen aus Anlass des traditionellen afghanischen Neujahrsfestes verkünden. Gegenwärtig sind 132 000 Soldaten unter der Isaf-Flagge in Afghanistan stationiert. Bis Ende 2014 soll die schrittweise Übergabe der Sicherheitsverantwortung der Nato an die Afghanen in allen 34 Provinzen des Landes abgeschlossen sein. dapd

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