Nato-Mission : Experten: Mehr Truppen allein reichen nicht für Afghanistan

Die USA schicken 17 000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan, die Bundeswehr stockt ihr Kontingent auf – wird das die Nato-Mission in dem zentralasiatischen Land zum Erfolg zu führen? Experten und Politiker bei einer gemeinsamen Konferenz der Stiftung Wissenschaft und Politik und der Universität Toronto zeigten sich eher skeptisch.

Andrea Nüsse

Berlin - Der Koordinator der Deutsch-Amerikanischen Beziehungen, der SPD-Politiker Karsten Voigt, erhofft sich von der Truppenaufstockung, dass im Kampf gegen die Taliban im Süden weniger Luftangriffe geflogen werden und damit weniger afghanische Zivilisten ums Leben kommen. Der Soziologe Michael Daxner von der Universität Oldenburg, der an der Sonderforschungsgruppe zu „Gouvernance in Räumen begrenzter Staatlichkeit“ der Freien Universität mitarbeitet, fordert einen Strategiewechsel: Die Truppen sollten von Taliban befreite Dörfer sichern, und nur einspringen, wenn Islamisten beispielsweise eine neu eröffnete Mädchenschule zu zerstören suchen. Die kanadische Politikwissenschaftlerin Janice Stein von der Universität Toronto wiederum fürchtet, dass der Kommandeur des US Central Command, General David Petraeus, seine Lehren aus dem Irak auf Afghanistan übertragen wird: Unter seine Führung hatten die US-Truppen dort mit sunnitischen Stämmen zusammengearbeitet, um gegen al-Qaida-Kämpfer vorzugehen. Mit gewissem Erfolg. „In Süd-Afghanistan sind die Stämme viel schwächer als in Irak“, gibt Stein zu bedenken. Ihre Führer könnten nicht garantieren, dass die Waffen nicht am Ende bei Warlords landen. Die Einrichtung von Stammes-Milizen im Kampf gegen die Taliban würde den Aufbau der afghanischen Armee unterminieren, der relativ erfolgreich sei. „Iraq ist nicht relevant für Afghanistan“, mein Stein, Autorin einer Studie über den kanadischen Einsatz in Südafghanistan.

Während Kanada und Deutschland in Afghanistan beim Bau einer Anlage der Grenzpolizei und bei der Berufsausbildung kooperieren, gibt es mittlerweile jedoch auch Spannungen. In Kanada gebe es durchaus „Enttäuschung“ über Deutschland, das den Einsatz im umkämpften Süden des Landes, wo knapp 3 000 Kanadier stationiert sind, nicht teilen wolle, meint Stein. Andrea Nüsse

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