Politik : NATO-Sprecher mit Cockney-Akzent

JOBST KNIGGE

Einer der meistbeschäftigten Leute bei der NATO ist in diesen Tagen der Sprecher der Allianz, Jamie Shea.Mit dem Beginn der NATO-Angriffe vor rund zwei Wochen wurde der 45jährige Brite über Nacht zum internationalen Medienstar.

In keinem Fernsehprogramm fehlt der Mann mit den kurzen grauen Haaren, der auf jede Frage die passende Antwort hat.Täglich gibt er Dutzende von Interviews und leitet die tägliche Pressekonferenz im NATO-Hauptquartier in Brüssel vor einer bunt zusammengewürfelten Schar von Kriegskorrespondenten.Zwischendurch sitzt er in seinem im Moment etwas chaotischen Arbeitszimmer und versucht, der Flut von Telefonanrufen Herr zu werden.

Shea ist seit 20 Jahren bei der NATO, die ihm im Moment rückblickend trotz aller weltpolitischen Umwälzungen ziemlich ruhig erscheinen mögen.Dabei hatte der Londoner bereits als Geschichtsstudent in Oxford mit dem Krieg zu tun.Seine Doktorarbeit schrieb er über die Intellektuellen im Ersten Weltkrieg.

Mit seiner Redegewandtheit und seiner Schlagfertigkeit machte Shea schnell Karriere.Für den deutschen NATO-Generalsekretär Manfred Wörner schrieb er in der Zeit des Falls des Kommunismus die Reden; und auch für den nicht besonders eloquenten gegenwärtigen Generalsekretär Javier Solana findet er die richtigen Worte.

Seit sechs Jahren ist er der offizielle Sprecher des Bündnisses.Problemlos fällt er je nach Gesprächspartner vom Englischen ins Französische, wenn auch mit starkem Akzent.Laut "Times" haben sich hohe britische Militärs in Brüssel auch über Jamies Akzent im Englischen beschwert, denn er spricht ein breites Cockney, was gewöhnlich mit den unteren Schichten assoziiert wird.Bei den Journalisten ist Shea hochbeliebt.Bei allem Streß bleibt er stets freundlich und humorvoll.

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