Politik : NATO stellt Bodentruppen für Kosovo bereit

LONDON/PRISTINA/WASHINGTON (Tsp).Die internationale Kontaktgruppe hat den Konfliktparteien im Kosovo ein Ultimatum zur Aufnahme von Friedensverhandlungen gestellt.Die Gespräche nach dem Vorbild der Bosnien-Konferenz von Dayton sollen am 6.Februar in Rambouillet bei Paris beginnen und spätestens nach drei Wochen abgeschlossen sein.Die NATO präzisierte unterdessen bestehende Operationspläne.Dabei gibt es auch eine Option für den Einsatz von Bodentruppen, die laut NATO bis zu 200 000 Soldaten umfassen könnten.

US-Präsident Clinton warnte Belgrad unterdessen, daß "die Zeit für Ablehnung und Verzögerung vorbei ist".Die NATO sei bereit zum Handeln, wenn Serbien dies nicht tue, sagte der Präsident am Freitag in Washington.Die NATO selbst, so verlautete, nahm die Entscheidung "mit Genugtuung" auf.

Während die Kontaktgruppe einen sofortigen Gewaltverzicht forderte, kamen im Kosovo mindestens 27 Albaner und ein serbischer Polizist bei neuen Schießereien ums Leben.Etwa ein Dutzend Polizisten hätten eine im Haus versteckte "Terroristengruppe" festnehmen wollen, meldete das serbische Mediazentrum in der Kosovo-Hauptstadt Pristina.

Bei ihrem Treffen in London drohte die Kontaktgruppe noch nicht konkret mit militärischem Eingreifen.Bundesaußenminister Fischer lehnte Spekulationen darüber ab.Falls aber jemand ein "zynisches Spiel" spielen und sich den Verhandlungen entziehen sollte, werde er dafür "verantwortlich gemacht".Deutschland werde jedoch im Rahmen der NATO Verantwortung übernehmen, ähnlich wie bei der "Implementierung des Friedens" in Bosnien.Ähnlich äußerten sich auch Bundeskanzler Schröder und Bundesverteidigungsminister Scharping.

Unterdessen verwies ein hoher NATO-Beamter darauf, daß das Bündnis nun in den nächsten Tagen "die militärische Komponente" der Vorgabe der Kontaktgruppe fertigstellen werde.In jedem Fall werde die NATO in hoher Alarmbereitschaft sein, um gegebenenfalls die Pläne der Kontaktgruppe auch militärisch durchzusetzen.Auch für einen Einsatz von Bodentruppen gebe es bereits Optionen, die nach Angaben von Militärs den Einsatz von 36 000 bis 200 000 Soldaten vorsehen.

Der britische Außenminister Cook betonte: "Es wird keine freundliche Einladung sein.Wir bestellen sie ein." Rußlands Außenminister Iwanow vertrat weiter die Position seines Landes, daß ein militärisches Eingreifen nur nach einem entsprechenden Beschluß des Sicherheitsrates möglich sei.Die kosovo-albanische Untergrundarmee UCK hat eine Teilnahme an Friedensgesprächen bisher abgelehnt.Cook will an diesem Sonnabend nach Belgrad und Pristina fliegen, um Delegationen der Serben und der Kosovo-Albaner zur Teilnahme aufzufordern.Die Verhandlungen sollen eine Woche später unter dem Vorsitz von Cook und des französischen Außenministers Hubert Vedrine beginnen.Als Vermittler sind der US-Sonderbotschafter Christopher Hill und der EU-Beauftragte Wolfgang Petritsch vorgesehen.

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