Politik : Naumann belastet Milosevic Deutscher General: Diktator drohte mit Massaker an Albanern

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Den Haag (dpa). Der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic hat kurz vor der Nato-Intervention im Kosovo-Konflikt angedeutet, dass die Serben das Kosovo-Problem durch Ermordung von Albanern lösen wollten. Dies geht aus einer Zeugenaussage des früheren deutschen Vier-Sterne-Generals Klaus Naumann beim Milosevic-Prozess vor dem UN-Tribunal in Den Haag hervor. Naumann schilderte am Donnerstag dabei ein Treffen mit Milosevic in Belgrad.

Die Unterredung fand laut Naumann im Oktober 1998 im Belgrader Präsidentenpalast statt. Milosevic sowie der ebenfalls in Den Haag angeklagte frühere jugoslawische Vizeregierungschef Nikola Sainovic hätten sich dabei besorgt über die hohe Geburtenrate unter den Kosovo-Albanern geäußert, die die Serben in der Provinz immer weiter in die Minderheit dränge. Dieses Problem gelte es auf Dauer zu lösen.

Als damaliger Chef des militärischen Komitees der Nato habe er mit sofortigem Eingreifen der Allianz gedrohte, falls Belgrad die Gewalt im Kosovo nicht schleunigst beende. Milosevic habe bei dem Treffen eine Lösung der Probleme mit der albanischen Bevölkerungsmehrheit im serbischen Kosovo für das nächste Frühjahr in Aussicht gestellt.

Milosevic habe gesagt: „Wir machen es so, wie wir es in Drenica 1945/46 gemacht haben.“ Auf die Frage, was damals geschehen sei, habe Milosevic geantwortet: „Wir haben sie (die Albaner) zusammengetrieben und erschossen.“ Diese hatten sich in Drenica gegen die Serben erhoben. Sie seien vollkommen sprachlos gewesen, als sie das hörten, schilderte Naumann am Donnerstag diese Begegnung.

Bei insgesamt drei Treffen mit Milosevic habe er nachdrücklich auf die Bereitschaft der Nato zum Eingreifen im Kosovo hingewiesen. „Der Hahn ist gespannt, die Uhr läuft, Sie haben noch 48 Stunden Zeit“, warnte der Nato-General. „Dann werden die Hunde des Krieges von der Leine gelassen“, fasste er die Drohung zusammen. Damals sei es noch zu Absprachen gekommen, die sofortige Luftangriffe auf Jugoslawien verhinderten.

Milosevic muss sich seit 12. Februar vor dem Tribunal unter der Anklage der Kriegsverbrechen im Kosovo zwischen Januar und Juni 1999 verantworten. Wegen weiterer Anklagen zu den Konflikten in Kroatien und Bosnien zwischen 1991 und 1995 soll sich Milosevic später verantworten.

Milosevic bestritt später im Kreuzverhör des Zeugen, die Äußerungen gemacht zu haben. „Wie könnte jemand, der gerade ein Abkommen zur Entspannung der Lage unterschrieben hat, so etwas sagen“, meinte Milosevic. Der General verteidigte die Intervention der Allianz als korrekt und notwendig. Er kritisierte aber, dass es vor der Entscheidung für die Angriffe keinen Kontakt zur kosovo-albanischen Befreiungsarmee UCK gegeben habe.

„Wenn man eine Lektion aus Kosovo lernen kann, dann ist es die, dass man mit allen beteiligten Seiten Kontakt gehabt haben muss, ehe man sich für militärische Gewalt entscheidet“, sagte er.

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